Bei dieser Trainingseinheit ging es nach vorheriger Absprache mit den Teilnehmern um Eröffnungsvarianten. Das Thema lautete „Was spiele ich mit Schwarz gegen System-Spieler?“, also solche Spieler, die immer Englisch (c4, Sc3, g3, Lg2 etc. ohne d4) spielen. Abschließend haben wir wie immer sechs Aufgaben gelöst, auf die Großmeisterpartie haben wir dieses Mal wegen „Zeitnot“ verzichtet.
Einleitung
Viele Vereinsspieler haben sich mit Weiß ein überschaubares, aber verlässliches Repertoire zurechtgelegt, dem ein bestimmtes System zugrunde liegt. Die Idee ist, dass man mit Weiß dieselben ersten 8-10 Züge ausführt, praktisch unabhängig von den schwarzen Zügen. Dadurch spart man Bedenkzeit und erreicht immer ähnliche Strukturen, in denen man im Laufe der Jahre viele Erfahrungen sammelt. Objektiv betrachtet ist es natürlich keine gute Idee, immer denselben Aufbau zu spielen, weil das dem Gegner die Vorbereitung auf die Partie doch sehr erleichtert. Andererseits braucht sich der Weiß-Spieler irgendwann gar nicht mehr vorzubereiten, weil er alle schwarzen Systeme gegen seinen Lieblings-Aufbau schon oft genug gesehen hat. Es soll Spieler geben, die aus ähnlichen Erwägungen heraus immer die Französische Verteidigung gegen 1.e4 spielen 🙂
Englisch

Die Englische Eröffnung beginnt mit dem Zug 1. c4. Weiß greift das Zentrum nicht direkt mit einem Bauern an, sondern kontrolliert wichtige Felder – besonders d5 – von der Seite. Siegbert Tarrasch hielt diesen Zug noch für einen Fehler, aber seitdem wurde er von etlichen Weltmeistern (sogar von Bobby Fischer im WM-Kampf 72!) angewandt. Auf Vereinsebene entwickelt Weiß den Läufer nach g2 (Fianchetto) und spielt später d3, Sf3 und Sc3, häufig gefolgt von Tb1 und b4-b5. Dadurch entsteht eine stabile und flexible Stellung, in der Weiß am Damenflügel und Schwarz am Königsflügel angreift. Englisch wird von Großmeistern häufig auch mit dem Gedanken eines günstigen Übergangs in d4-Eröffnungen gespielt.
Die Idee der Englischen Eröffnung ist:
- indirekte Kontrolle des Zentrums
- flexible Figurenentwicklung
- Übergang in verschiedene Bauernstrukturen
- Angriff am Damenflügel
Modellpartien
Im folgenden einige Partien, in denen die weiße Strategie voll und ganz aufgeht.
Empfehlungen
Hier einige Empfehlungen, wie man gegen Englisch spielen kann.
Aufgaben
Das Anklicken des Diagramms öffnet die jeweilige Stellung im Analysemodus auf Lichess.
Topalov – Shirov, 1998
Levitzky – Marshall, 1912
Brzozka – Bronstein, 1963
Fehling – Rütschi, Biel 1983
Hindle – Mohring, 1964
Bura – Puric, Jugoslawien 1982
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