3 Wochen nach der offenen Ratzeburger Stadtmeisterschaft gab es am 20.09. für die Freunde des Schnellschachs ein weiteres Angebot. Das von Agon Neumünster jährlich ausgerichtete Open fand seine nunmehr 25jährige Auflage und damit das Silberne Jubiläum. Nimmt man mal die Corona-Jahre raus, so ist man mit dieser Veranstaltung seit Anfang dieses Jahrtausend auf dem Markt. Herzlichen Glückwunsch dazu.
Eine Besonderheit, die dieses Open von vielen anderen unterscheidet, ist das ausgesprochen breit gefächerte Preistableau. Und in diesem Jahr wurde dieses nochmal ergänzt mit dieser Nachricht, die kurz vor Turnierbeginn den Teilnehmern zuging:
„Ansonsten haben wir noch ein kleines Angebot: leider ist kürzlich ein Vereinsmitglied verstorben; seinen Schach-Nachlass hat der Verein dankenswerterweise bekommen. Es war sehr, sehr viel und unsere Mitglieder sind nun versorgt.
Wir werden daher viele (tlw. ältere) Bücher (u.a. zu großen Turnieren in den 19ern, tlw. auch in Russisch, Enzyklopädien), CB-Magazine (mit CDs, unsortiert), Zeitschriften (u.a. New in Chess / Yearbooks) und Software (Fritz, Komodo, CB, Shredder) verschenken und würden uns bei Interesse über eine kleine Spende für unsere Jugendabteilung freuen.“
Gespielt wurde im Bildungszentrum Vicelin-Viertel (benannt nach einem 1154 in Neumünster verstorbenen Bischof). Hier hatten sich schließlich 84 Teilnehmer eingefunden, was die Austragungsstätte gerade noch verkraften konnte. 9 Runden (mit 30-minütiger Mittagspause) mit einer Bedenkzeit von 12 Minuten plus 5 Sekunden Inkrement waren zu bewältigen.
Britta Leib

hatte mit ihrem emsigen Team das Geschehen sicher im Griff und sorgte für einen stringenten Ablauf. Ein preiswerter Imbiss sorgte dafür, dass zwischendurch die Kräfte nicht schwanden.
Welche Spieler zu den „victores praedicti“ zählten war nicht zu schwer auszumachen und diese setzen sich aus Vertretern von Doppelbauer Kiel und SK Norderstedt zusammen. Der LSV war auch diesmal lediglich durch Heiko Rickert und den Berichterstatter vertreten. Momentan ist es leider so, dass (jedenfalls oberhalb des 2000-Levels) für Rapid-Turniere es an größerem Enthusiasmus mangelt.
Der Raum für die etwa ersten 20 Bretter war mit Holzmaterial und mehr Platz etwas großzügiger ausgestattet als die Räume für die nachfolgenden Bretter.

Immerhin hatten Heiko und ich einige Male Gelegenheit auch hier Platz zu nehmen, Einmal sogar an den Brettern 3 und 4 – zugegebenermaßen allerdings bereits in Runde 2.
Hier Heiko in seiner Begegnung mit dem späteren Turnierdritten FM Taron Khachatryan.

Am Nebenbrett brachte ich es nicht fertig folgende Stellung gegen Stefan Kosanke (Agon Neumünster) zu gewinnen:

Hier zog ich Td3 und verlor in Folge noch.
Das Turnier gewann FM Keyvan Farokhi (Doppelbauer Kiel) mit 8 Punkten vor IM Michael Kopylov (SK Norderstedt) mit 8 Punkten, Auf Platz 3 (7 Punkte) dank besserer Zweitwertung FM Taron Khachatryan (SK Norderstedt) vor Jonas Simon Gremmel (SF Hamburg).
Heiko kam auf 50 % (Platz 29) und ich mit einem halben Punkt weniger auf Rang 50. So richtig zufrieden waren wir mit dem Ergebnis beide nicht.
Immerhin war das nochmal eine gute Vorbereitung vor der am 24.09. in Büsum startenden OSEM. Michael hat hier auch schon einen Ausblick gegeben und ich möchte noch einen persönlichen und rein subjektiven Ausblich auf die Möglichkeiten und Chancen werfen.
Wenn am 24. September die 20. Offene Senioren-Einzelmeisterschaft Schleswig-Holsteins beginnt, darf sich das Feld auf ein ausgesprochen stark besetztes Jubiläumsturnier freuen. 231 Spieler standen im offiziellen Anmeldestand vom 21. September, darunter nicht weniger als ein Dutzend Akteure mit einer Wertungszahl jenseits der 2100. Gespielt werden neun Runden Schweizer System.
Im Rahmen des Turniers wird sich auch der Förderkreis der Senioren vorstellen. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Seniorenarbeit im Schachsport gezielt zu fördern – ideell, organisatorisch und auch finanziell. Ziel ist es, den Schachsport für ältere Menschen lebendig zu halten, Begegnungen zu ermöglichen und die bundesweite Senioren-Szene dauerhaft zu stärken.
Der Zweck wird insbesondere verwirklicht durch die Gewährung finanzieller Zuwendungen an hilfsbedürftige Senioren zu den Kosten für die Teilnahme an Schachturnieren und die Ausrichtung von Turnieren.
Hier ein Blick in den Veranstaltungssaal vom Vorjahr:

In ein paar Tagen wird es nicht viel anders aussehen. „Recondita armoniadi bellezze diverse!…“. („Wie sich die Bilder gleichen“ (Giacomo Puccini „Tosca“))
An einem Tag wird zudem ein Blitzturnier angeboten.
Das Turnier ist längst eine feste Größe im deutschen Seniorenschach. Die Konkurrenz ist traditionell hochkarätig: In den vergangenen Jahren gehörten Bernd Baum, Klaus Klundt, Detlef Heinbuch und Christian Hess regelmäßig zu den Spitzenleuten.
2025 sorgte Jens Wulf von Moers, der in den 80ger Jahren bei uns Mitglied war und sowohl in der ersten wie auch der zweiten Mannschaft zum Einsatz kam, mit seinem Turniersieg für eine Überraschung.
Die Papierform spricht damit zunächst für Heinbuch. Allerdings ist Büsum kein Turnier, bei dem man den Sieger allein aus der Startliste herauslesen kann. Neun Runden Schweizer System, eine ausgesprochen breite Spitze und viele routinierte Spieler sorgen dafür, dass ein halber oder ganzer Punktverlust in den ersten Runden schnell erhebliche Auswirkungen auf die Schlusswertung haben kann.
Bernd Baum bleibt für mich deshalb der vielleicht interessanteste Herausforderer. Der dreimalige Sieger gehört zu den erfolgreichsten Spielern in der Geschichte des Turniers und stand auch 2025 wieder auf dem Podium. Klaus Klundt ist ebenfalls immer für einen Turniersieg gut. Und Jens Wulf von Moers hat nach seinem Coup von 2025 einen psychologischen Vorteil: Er weiß inzwischen, dass er dieses Feld tatsächlich gewinnen kann.
Mein Kreis der unmittelbaren Favoriten wäre daher:
- Detlef Heinbuch – Nummer eins der Setzliste und damit logischer Favorit.
- Bernd Baum – enorme Büsum-Erfahrung und eine beeindruckende Erfolgsbilanz.
- Jürgen Juhnke – mit 2219 kaum schwächer einzuschätzen.
- Stephan Buchal / Hansjörg Himmel / Christian Hess – allesamt Kandidaten für die Spitzengruppe.
- Klaus Klundt – der dreimalige Büsum-Sieger darf nie abgeschrieben werden.
- Jens Wulf von Moers – Titelverteidiger und damit der Mann, den alle schlagen wollen.
Besonders interessant ist die Ausgangslage für Michael Negele. Mit 2149 steht er in der Meldeliste zwar deutlich hinter den Topfavoriten, aber immer noch im erweiterten Kreis der Spitzenspieler
Ich würde Michael keineswegs nur als Kandidaten für einen Platz unter den ersten 20 sehen.
Michael hat eine große Erfahrung auf nationaler Ebene: Bei der Deutschen Senioren-Einzelmeisterschaft 2026 in Dresden wurde Negele mit 5,5 Punkten aus neun Partien. Das ist zwar sicherlich kein Ergebnis, das ihn für Büsum zum Topfavoriten macht – aber eines, das zeigt, dass er in einem starken Seniorenfeld absolut mithalten kann. Meine Einschätzung ist ein realistischer Kandidat für die Top 10. Für einen Platz auf dem Podium müsste allerdings einiges zusammenpassen: ein guter Start, möglichst wenige Remisen gegen nominell schwächere Gegner und natürlich ein erfolgreicher Auftritt gegen mindestens einen der ganz großen Favoriten. Sein Rating liegt rund 70–110 Punkte unter den stärksten Spielern, der Abstand ist also vorhanden – aber keineswegs so groß, dass eine Überraschung unwahrscheinlich wäre.
Spannend ist auch die Situation bei Hartmut Nehls, dem zweiten Lübecker, den man im Auge behalten sollte. Mit 2004 liegt er in der aktuellen Meldeliste weit hinter Negele und den Favoriten.
Doch Hartmut ist keineswegs ein Spieler, den die Spitzenleute gerne in der Auslosung sehen dürften. Seine Ergebnisse im Lübecker Mannschaftsschach zeigen eine bemerkenswerte Konstanz. In der Landesliga 2024/25 holte er beispielsweise 4,5 Punkte aus sieben Partien, genau entsprechend seiner Gewinnerwartung; dabei gelangen ihm unter anderem Siege gegen nominell höher eingestufte Gegner.
Ein Platz im vorderen Mittelfeld und einzelne Überraschungssiege sind absolut realistisch.
Und die sonstige Lübecker Bilanz?
Der LSV ist mit mehreren Spielern vertreten. Neben Negele und Nehls stehen Oliver Kaeding, Wolfgang Schwerdtfeger und der Berichterstatter auf der Meldeliste
Michael traue ich 5½ bis 6½ Punkte und einen Platz etwa zwischen 7 und 20 zu, mit Außenseiterchancen auf noch mehr. Hartmut (auch Oliver) sehe ich bei 4½ bis 5½ Punkten; bei gutem Turnierverlauf ist auch eine Platzierung deutlich weiter vorne möglich.
Und genau das macht die OSEM 2026 aus Lübecker Sicht interessant: Beide können in die Spitzengruppe eingreifen und für Überraschungen sorgen.
Mein Bauchgefühl sagt: Der Titel bleibt diesmal nicht zwingend beim Titelverteidiger. Heinbuch und Baum haben auf dem Papier die besten Voraussetzungen, aber Büsum hat schon häufig bewiesen, dass Erfahrung, Form und Nervenstärke wichtiger sein können als 30 oder 50 Elo-Punkte. Und wenn Michael Negele nach sechs Runden noch Kontakt zur Spitze hat, könnte aus dem Lübecker Geheimtipp plötzlich eine echte Titelgeschichte werden.
Am 2. Oktober endet das Turnier und man wird sehen, ob meine Bewertung standhält oder doch eher zum Wunschdenken gehört.
Die Lübecker Spieler werden sich dann wohl so zeitgerecht auf die Heimreise machen, dass man am abendlichen (20.00 Uhr) Monatsblitz teilnehmen kann.
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