Startschuss für die Landesliga. Eine ereignisreiche Saison mit vielen dramatischen Wendungen liegt hinter der Spaßmannschaft, doch das Saisonziel Klassenerhalt wurde schließlich erreicht. Auch die Spaßmannschaft war in der Sommerpause auf dem Transfermarkt aktiv und wir konnten unsere Reihen mit den heimischen Jugendtalenten Elia und Jonas verstärken. Bereits vor einigen Wochen wurde der Saisonauftakt bei einem üppigen Raclette eingeläutet und strategische Details bei der Aufstellung besprochen. Einer erfolgreichen Saison steht somit nun eigentlich nichts mehr im Wege. Viel Zeit zum Entspannen gab es jedoch nicht, da der erste Spieltag uns direkt gegen unsere Widersacher aus Mölln loste. Konnten wir vor zwei Jahren noch gegen die Truppe um Wolfgang Krüger gewinnen, verpassten diese uns vor einigen Monaten trotz voller Kampfmontur eine knappe aber schmerzhafte Niederlage. Dieses Mal sollte es natürlich besser laufen, allerdings waren die Vorrausetzungen nicht sonderlich gut. Da sowohl Tom, Joa, Eryk als auch Alexandra nicht spielen konnten, waren wir an den vorderen Brettern im Vergleich zu Mölln recht schwach besetzt. Somit einigten wir uns auf die Strategie, dass Bretter 5-8 gewinnen müssten. Als wir das Möllner Spiellokal betraten stellten wir fest, dass die Möllner uns entgegenkamen und mit Hans-Werner Stark und Heiko Klitsche ebenfalls auf zwei starke Spieler verzichteten. Somit war es nominell ein Duell auf Augenhöhe.
Ich startete meine Partie motiviert, da mir ein erneuter Schlagabtausch gegen Andreas Werner glücklicherweise erspart blieb. Nichtsdestotrotz befand ich mich nach 11 Zügen nahezu in der gleichen Situation wie vor ein paar Monaten. Im Fried-Liver-Attack spielte mein Gegner eine nischige Variante, die ich zunächst als etwas zu harmlos abstempelte und mich dann prompt in einer unbequemen Lage wiederfand. Es kostete mich eine Stunde meiner Bedenkzeit, doch ich fand keine zufriedenstellende Lösung. Mein Gegner hatte jedoch andere Pläne und er ließ in der kritischen Variante den entscheidenden Zug aus, sodass ich mich etwas überraschend wieder konsolidieren konnte. Das gab mir endlich Zeit, bei den anderen Brettern ein wenig zu schauen.
Am ersten Brett gab es von Wolfang Krüger das bereits antizipierte Remisangebot in schlechterer Stellung, doch Ruben lehnte ab und knetete die Stellung weiter. An Brett 2 von Jonas bot sich mir ein ungewöhnlicher Anblick mit zwei Leichtfiguren und Turm auf der gegnerischen Grundreihe, allerdings fehlte Jonas die Dame und ich blickte nicht so recht durch. Hanno war am dritten Brett mit seiner Dame kompromisslos in die gegnerische Stellung eingedrungen und sah recht zufrieden mit der Lage aus. Ida lieferte sich mit Luca Krohn ein Rematch mit vertauschten Farben, das noch recht ausgeglichen aussah, aber Sprengpotenzial für beide Seiten besaß. Rouven musste dieses Mal gegen den gefürchteten Brett-Berserker Andreas Werner spielen. Andreas fand im Mittelspiel eine taktische Abwicklung, die Rouven eine Qualität kostete. Rouven versuchte nun noch alles für einen Königsangriff zu mobilisieren, doch ich schätzte die Erfolgschancen eher verhalten ein. Elia hatte dagegen eine Qualität, allerdings für einen gedeckten Freibauern und das Läuferpaar. Hier sah ich zunächst keine klaren Gewinnideen für beide Seiten. Benjamin versammelte wie Rouven seine Streitkräfte vor dem gegnerischen König und es sah von außen so aus, als würde die Partie nicht mehr lange dauern.
Während ich mich wieder meiner Partie zuwandte und mich bemühte 20 gute Züge in 20 Minuten zu finden, wurden am dritten Brett die Formulare gefaltet, nachdem Hanno in einer souverän gespielten Partie mit einem Qualitätsopfer den Sack zu machen konnte und uns die Führung bescherte.
Wenig später war auch Elias Partie vorbei. Das Einmaleins der Hexe erwies sich als stark genug, um mit Turm und Läufer mitzuhalten und die Punkteteilung wurde vereinbart. Der Gegner von Jonas verteidigte sich sauber und konnte erfolgreich die Koordination der gegnerischen Leichtfiguren sabotieren, weshalb Jonas die Waffen strecken musste. Dies galt auch für Benjamins Brett allerdings nicht mit dem erwarteten Ausgang. Der Angriff wollte nicht so recht gelingen und in Zeitnot ging bei Benjamin noch eine Figur stiften, was ihn zur Aufgabe zwang. Die Gegner führten nun wieder mit 2,5-1,5. Ich hatte mir mittlerweile wieder eine aussichtsreiche Stellung mit drei Mehrbauern erarbeitet. Die letzten sieben Züge musste ich jedoch auf Inkrement spielen und die Stellung ließ sich nicht so recht vereinfachen. Mein Gegner hatte wohl keine Hoffnung mehr in seine Stellung und versuchte mich mit schnellem Spiel über die Zeit zu heben. Die Mehrbauern gingen wieder stiften, aber im 40. Zug fand ich glücklicherweise noch das entscheidende Tempo, um eine gefesselte Figur mittelfristig zu gewinnen. Damit konnte ich auf 2,5-2,5 ausgleichen. Die restlichen drei Bretter sahen jedoch nicht so vielversprechend für uns aus. Ruben vereinbarte nach hartem Kampf sichtlich frustriert ein Remis nachdem er über weite Strecken besser stand. Rouven hatte seine Minusqualität wieder zurückgewonnen, aber dafür nun zwei Bauern weniger und musste anscheinend genauso wie Ida um den halben Punkt kämpfen. Die Stellungen waren wohl so schlecht, dass Wolfang Krüger bereits zu uns in den Analyseraum kam und frohlockte, dass Mölln wohl unser Kryptonit sei. Zwar verlor Rouven tatsächlich seine Partie, doch Ida zeigte eisernen Kampfeswillen und erkämpfte sich in einem undurchsichtigen Endspiel und beidseitiger Zeitnot den vollen Punkt. Damit rettete sie uns einen Mannschaftspunkt und verdarb dem Möllner Mannschaftsführer sichtlich die Laune.
Somit ging es für uns gut gelaunt zurück nach Lübeck.
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