Nur noch wenige Tage, dann ist es soweit. Vom 31. Oktober bis zum 8. November findet die Offene Internationale Bayerische Schach Meisterschaft (OIBM) am Tegernsee statt, eines der bedeutendsten Schach-Open in Europa mit einem auch international exzellenten Ruf.

Austragungsort ist wie in den vergangenen Jahren das historische Gut Kaltenbrunn in Gmund oberhalb des Tegernsees und etwa 5 km von unseren Unterkünften in Bad Wiessee entfernt. Die Anlage mit Blick auf See und Berge bietet optimale Spielbedingungen und ausreichend Raum für knapp 600 Teilnehmer.

Turnierdirektor GM Sebastian Siebrecht

und das professionelle Schiedsrichterteam, bestehend aus Hauptschiedsrichter Ralph Alt,

Hans Brugger und Sandra Schmidt, wird das Turnier vor Ort betreuen und auf die Einhaltung der Regularien achten.

Zum Start der 28. Ausgabe der OIBM in wenigen Wochen haben sich bereits rund 540 Spieler angemeldet. 119 Titelträgerinnen und Titelträger reisen an den Tegernsee, darunter 18 Großmeister aus 37 Nationen – erneut wie das „Who ist Who“ der internationalen Schachszene.

Natürlich stammt der Großteil (417) der Teilnehmer aus Deutschland. Dann aber folgt Indien mit 34 Teilnehmer mit GM Rithvi R Raja (Elo 2519) auf Rang 14 der Startrangliste. Der Subkontinent erfährt momentan einen riesigen Schachboom. Sowohl in der Spitze als auch der Breite. Im Sog des ersten indischen Großmeisters Vishy Anand (FIDE-Weltmeister 2000-2002) und des aktuellen Weltmeisters Dommaraju Gukesh sprudelten die Großmeister. Das Land steht damit unmittelbar vor dem historischen Meilenstein, als erst dritte Nation in der Schachgeschichte die Marke von 100 Großmeistern zu erreichen.
Man darf gespannt sein, wie sich die indische Vertretung am Tegernsee schlägt.

Wer aber sind die Favoriten und wie sind die Lübecker Chancen einzuschätzen?

An der Spitze der Startrangliste steht mit GM Frederik Svane ein Lübecker, der für den Hamburger SK in der 1. Bundesliga an den Start geht. Bei der diesjährigen Schacholympiade in Samarkand hatte Frederik mit 8,5/11 und einer 2796-Performance Einzelgold geholt. Bei einem stark besetzten Feld nach dem Schweizer System mit 9 Runden entscheiden allerdings oft Nuancen und die Tagesform in den direkten Duellen der Großmeister (GM).

So gesehen haben neben dem Lübecker die besten Chancen auf den Turniersieg:

  • GM Jaime Santos Latasa (Elo 2626): Der für den FC Bayern München spielende Spanier ist Svanes härtester Verfolger.
  • GM Alexander Donchenko (Elo 2610): Als erfahrener deutscher Nationalspieler gehört er ebenfalls zum engsten Favoritenkreis.
  • GM Nijat Abasov (Elo 2580): Der WM-Kandidat von 2024 (Aserbaidschan) bringt enorme Turniererfahrung auf absolutem Weltklasse-Niveau mit und ist immer ein Titelkandidat.

Der LSV ist neben dem Berichterstatter mit Michael Ehrke, Bruno Engel, Oliver Kaeding, Celina und FM Levi Malinowsky, (auch Mutter Yvonne ist dabei, wenn auch nicht aktiv am Brett – aber vielleicht gibt es, wie im Vorjahr, einige journalistische Beiträge), Ulrich Mittelbachert und Andreas Teska dabei.

      

Mit Ausnahme von Oliver und mir waren diese auch im Vorjahr dabei, so dass man einen gewissen Vergleichsmaßstab hat.

Bruno und Levi dürften nach meiner Meinung die aussichtsreichsten LSV-Spieler in diesem Turnier sein. Während Bruno von Rang 28 startet, greift Levi von Rang 51 an.

Beide können/werden sich im Verlauf des Turniers mit Titelträgern messen und haben zugleich gute Chancen, gegen schwächere Gegner Punkte einzusammeln.

  • Gutes Ergebnis: 6/9 Punkte
  • Sehr gutes Ergebnis: 6,5–7/9
  • Platzierungschance: vordere 30–60 Plätze bei einem guten Turnierverlauf

Einschätzung: Eine Top-20-Platzierung wäre für Beide ein starkes Ergebnis, ist aber nicht das Basisszenario.

Michael (Rang 174) liegt in einem Bereich, in dem die Auslosung und die Tagesform großen Einfluss auf die Endplatzierung haben. Er wird voraussichtlich sowohl auf Gegner unter als auch über seiner Spielstärke treffen.

  • Gutes Ergebnis: 5/9
  • Sehr gutes Ergebnis: 5,5–6/9
  • Platzierungschance: grob Rang 100–220

Einschätzung: Ein Ergebnis über fünf Punkte wäre ein guter Turnierverlauf. Die Chancen auf eine deutlich bessere Platzierung steigen, wenn Michael seine Ratingstärke konstant ausspielt.

Oliver (Rang 286) startet im Mittelfeld der Teilnehmerliste. Sein wichtigstes Ziel dürfte sein, gegen ähnlich bewertete Gegner regelmäßig zu punkten und gegen stärker eingestufte Spieler gelegentlich eine Überraschung zu schaffen.

  • Gutes Ergebnis: 4,5–5/9
  • Sehr gutes Ergebnis: 5,5/9
  • Platzierungschance: grob Rang 180–330

Einschätzung: Fünf Punkte wären ein ordentliches Ergebnis. Mit 5,5 Punkten könnte Oliver seine Ausgangsposition deutlich übertreffen.

Andreas, Celina und Ulrich (Ränge 386, 452, 351) liegen in einem dicht besetzten Bereich des Teilnehmerfelds. Hier sind die Platzierungsunterschiede besonders schwer vorherzusagen, weil wenige halbe Punkte viele Ränge ausmachen können.

  • Gutes Ergebnis: 4/9
  • Sehr gutes Ergebnis: 4,5–5/9
  • Platzierungschance: grob Rang 250–410

Einschätzung: Vier Punkte wären eine solide Grundlage. 4,5 oder fünf Punkte wären ein erfreuliches Resultat, das eine Platzierung oberhalb des Startrangs ermöglichen kann.

Ich selbst liege in der Startliste 32 Ränge hinter Andreas. Dieser Abstand ist zwar klein, um daraus einen sicheren Leistungsunterschied für das Turnier abzuleiten, dennoch gehöre ich mit 82 Jahren zu den Nestoren und diesem Umstand muss man (leider) Rechnung tragen.

  • Gutes Ergebnis: 3/9
  • Sehr gutes Ergebnis: 4–4,5/9
  • Platzierungschance: grob Rang 300–450

Einschätzung: Vier Punkte wären ein vernünftiges Ziel. Mehr wäre vielleicht auch ein Zuviel an Optimismus.

Zur Erinnerung: 2025 platzierte sich der LSV in der Endtabelle mit den Plätzen 52 (Levi, 6. P.), Bruno 76 (5,5 P.), 119 (Michael, 5,5 P.), 385 (Uli, 4 P.), 389 (Celina, 3,5 P.) und 390 (Andreas, 3,5 P.) unter insgesamt 544 Teilnehmern.

Am kommenden Freitag, d. 30.10. ist die Anreise. Die Rückkehr nach Lübeck erfolgt am 09.11. Mit wieviel Punkten im Gepäck wird man sehen. Aber auch, wenn es nicht wie erhofft laufen sollte, die Region hat touristisch einiges zu bieten.

Wunderschön angelegte Uferwege laden zu entspannten Spaziergängen ein. Die Flotte der bayerischen Seenschifffahrt verbindet die Orte Gmund, Tegernsee, Rottach-Egern und Bad Wiessee. Das Tal hat eine sehr hohe Dichte an exzellenten Restaurants, darunter sternegekrönte Gourmetküchen direkt am See. Ein besonderer Anziehungspunkt sicher auch in diesem Jahr: Das Herzogliche Schloss & Brauhaus. Das darin befindliche Herzogliche Bräustüberl Tegernsee ist weltbekannt für bodenständige Gastlichkeit.

Offizielle Turnierseite

(Fotos OIBM, Y. Malinowsky)

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