Levi in Rosenheim: Bis zur letzten Runde alles nach Plan. Fast.

Levi reiste nach Rosenheim, um beim IM-Normenturnier den nächsten großen Schritt zu machen. Lange Vorbereitung, strenge Analysen, geheimnisvolle Variantenbäume, die Hoffnung auf die ersehnte Norm war absolut berechtigt. Nur leider hatte das Teilnehmerfeld offenbar beschlossen, ebenfalls Schach spielen zu können. Und zwar ziemlich gut.

Eingeladen wurde Levi von Peter Eberl, dem an dieser Stelle ausdrücklich gedankt werden muss. Nicht nur für die Einladung, sondern auch für das Gesamtpaket aus echter bayerischer Gastfreundschaft, entspannter Atmosphäre und einem Turnier, das hervorragend organisiert und von 2 außerordentlich sympathischen Schiedsrichtern komplettiert wurde. Rosenheim zeigte sich dabei von seiner besten Seite: freundlich, lebendig und mit genau der Mischung aus Gemütlichkeit und Schach-Wahnsinn, die solche Tage besonders macht.

Auch das Hotel Höhensteiger verdient eine Erwähnung. Tolles Personal, herzlich, aufmerksam und vermutlich inzwischen abgehärtet genug, um morgens trotzdem immer freundlich und aufmunternd an schweigenden Schachspielern vorbeizugehen, die gerade in Gedanken eine Gewinnstellung eingestellt haben.

Ein Highlight abseits der Bretter war der gemeinsame Abend mit der Liveübertragung des Spiels FC Bayern München gegen Paris Saint-Germain. Das Ergebnis sorgte zwar nicht überall für Jubel, um es milde auszudrücken, aber immerhin bewies der Fußball einmal mehr, was auch im Schach gilt: Selbst bei den Großen, den „Stars“, kassiert immer einer die Schläge.

Vor der letzten Runde war die Situation fast filmreif: Von allen Teilnehmern hatte nur noch Levi überhaupt die Chance auf eine IM-Norm. Ein Sieg musste her. Schachromantik schrieb bereits leise am Drehbuch. Doch Schach ist leider kein Disney-Film. Schach ist knallhart. Levi kämpfte, stand über lange Zeit besser und … verlor.

Von außen betrachtet werden manche nun vielleicht sagen: „Keine Norm geschafft.“ Klingt schnell nach Enttäuschung, vielleicht sogar nach Versagen. Aber das ist die merkwürdige Logik von Normenturnieren: Weil „Norm“ draufsteht, glauben viele automatisch, dass man eine mitnehmen müsse, wie ein Handtuch aus dem Hotel. (Nein, wir haben natürlich kein Handtuch mitgenommen.) Hätte dieselbe Leistung bei einem normalen Open 5 aus 9 Punkten und 16 Elo Plus gebracht, würden viele anerkennend nicken.

Und genau diese 16 Elo sind eben nicht „nur“ 16 Elo sondern 16 Elo ! Letzten Sommer in Slowenien hätte Levi für wenige 4 Elo „alles“ getan, nur um den FM-Titel einzutüten. Diese 4 Elo-Punkte bedeuteten damals die Welt und er schaffte es !
Fortschritt im Schach misst sich nicht nur an Normen und Titeln. Manchmal zeigt er sich darin, dass man in einem starken Feld bis zur letzten Runde überhaupt noch die Chance auf eine IM-Norm hat. Und manchmal darin, nach einer bitteren Niederlage wieder aufzustehen. Oder um es mit den Worten eines FC Bayern Spielers, nach deren Ausscheiden, zu sagen: Ich glaube nicht, dass uns das umwerfen oder vom Weg abbringen wird. (Zitat J. Kimmich)

Natürlich gilt auch Levi‘s Trainern, insbesondere W. Krüger, ein großer Dank. Die viele Arbeit, Vorbereitung und Analyse war ganz sicher nicht vergebens. Wer Schach kennt, weiß ohnehin, dass hinter jedem halben Punkt meist mehr Arbeitsstunden stecken als hinter manchem Vollzeitjob. 

Und dass das gemeinsam Erarbeitete Früchte trägt, wird sich ziemlich sicher bald schon weiter zeigen.
Sehr wahrscheinlich zum ungünstigsten Zeitpunkt für die nächsten Gegner.

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