Nach der ersten und recht erfolgreichen Hälfte hätten wir nicht erwartet, dass es mit dem Klassenerhalt jetzt doch noch einmal so knapp werden würde. Doch viele Teams waren diese Saison spielerisch alle sehr dicht beieinander und zwei knappe Niederlagen gegen Husum und Mölln ließen uns nun in der letzten Runde zusammen mit vier anderen Mannschaften um den Ligaerhalt kämpfen. Mit Ausnahme von unserer Mannschaft, die gegen Leck antrat, spielten die anderen Abstiegskandidaten gegen Teams aus der oberen Hälfte. Somit war es im Voraus sehr schwer zu kalkulieren welche Ergebnisse ausreichen würden. Für uns war jedoch klar, dass mindestens ein 4-4 hermusste, da bei einer Niederlage Leck aufgrund der Brettpunkte in jedem Fall vor uns wären. Mit einem Sieg wäre der Klassenerhalt nahezu gesichert. Wir hatten das Glück, dass Joa und Tom beide erneut den Kampf für uns bestritten, wodurch wir an der Spitze stark aufgestellt waren.
Leck war zwar Tabellenletzter, aber nominell keinesfalls zu unterschätzen, gerade das knappe 3,5-4,5 gegen Lübeck 2 in der letzten Runde unterstrich ihre Klasse. Wir konnten aber auch sonst in starker Besetzung auftreten – so stark, dass wir beim Befüllen der Mannschaftskarte überrascht feststellten, dass wir neun Spieler zur Auswahl hatten, da sich eine Person nur für das nachträgliche Essen, aber nicht das Spiel selbst in der WhatsApp Umfrage eingetragen hatte. Nach meiner miserablen Partie in der vorherigen, setzte ich die Runde aus und räumte das 8. Brett für Benjamin. Rein nominell trennten beide Mannschaften nur 10 DWZ Punkte, auch wenn es an den Brettern selbst teilweise recht deutliche Unterschiede gab.
Nach zwei Stunden gab es noch nicht viel zu berichten. Es wurde sich nichts geschenkt und Kurzremis kamen für beide Seiten nicht in Frage. Hannos Gegner entschied sich als Erstes dem Kampf etwas Würze zu verleihen und gab beherzt eine Figur für zwei Bauern, um auf Hannos schwachen König in der Mitte zu spielen. Ida schnappte sich mit ihrem Springer einen Bauern auf g3, was aber zu seiner recht ungewöhnlichen Stellung und hohem Zeitverbrauch ihrerseits führte, als der Gegner zu einem Gegenangriff aufrüstete. Joa wirkte anfangs von der Körpersprache etwas unzufrieden mit seiner Stellung – durch meinen Laienblick sah die Stellung aber noch in Ordnung aus. Nach einer weiteren Stunde merkte ich langsam wie ich etwas angespannt wurde und stattete dem Spielsaal immer regelmäßiger einen Besuch ab.
Hanno saß nun niederschlagen an einem aufgebauten Brett, nachdem er einen unangenehmen Zwischenzug in einer kritischen Variante übersehen hatte. Somit lagen die Gegner in Führung und der Puls stieg. Doch die Stellungen der anderen Bretter stimmten mich verhalten optimistisch. Ida war es gelungen, ihren König in Sicherheit zu bringen und hatte nun eine sehr angenehme Stellung. Joa hatte seine Stellung überzeugend verbessern können und auch Rouven setzte seinen Gegner zunehmend unter Druck. Eine halbe Stunde später gab es den Stellungseinschätzungen entsprechend drei volle Punkte, wodurch der Kampf merklich in unsere Richtung gedreht wurde.
Es folgte Benjamin, der sich mit seinem Gegner bis ins Bauernendspiel einen erbitterten Kampf lieferte, aber sie sich dann doch auf eine friedliche Lösung einigten. Somit 3,5:1,5 Zwischenstand. „Ein oder zwei halbe Punkte an drei Brettern sollten wohl möglich sein“, dachte ich mir. Das hatte ich allerdings schon gegen Mölln gedacht und da gab es am Ende ein böses Erwachen. Doch dieses Mal zum Glück nicht. Eryk bot seinem Gegner Remis an, welches dieser nach kurzem Zögern auch annahm und ein faires Ergebnis für beide Spieler darstellte. Ein Mannschaftspunkt war somit gesichert. Alexandra hatte eine Qualität eingebüßt und stand stark unter Beschuss, während Tom versuchte ein Endspiel zu kneten, welches nicht viel Knetmasse bot. Alexandra war als erstes fertig und kam mit einem überraschenden remis in den Analyseraum, nachdem sie sich mit einem geschickten Turmopfer aus der Affäre gezogen hatte. Wenig später gab es auch am ersten Brett eine friedliche Übereinkunft, wodurch der Endstand 5-3 lautete. Der Klassenerhalt war damit gesichert und die Stimmung entsprechend ausgelassen. Es wurde am Ende der 6. Tabellenplatz in einem sehr umkämpften Feld.
Anschließend begab sich die aus 14 Personen bestehende Truppe in die L´Osteria und zelebrierte den erfolgreichen Saisonabschluss mit Pizza, Pasta und Partieanalysen.
Wie anfangs erwartet, war die Landesliga für uns eine Belastungsprobe. Von einem starken 7-1 Sieg bis zu einer krachenden 1-7 Niederlage, glücklichen 4,5-3,5 Siegen und sehr unglücklichen 3,5-4,5 Niederlagen war es gefühlsmäßig ein Auf und Ab. Mit 5,5 Punkten war Tom erneut der Top-Scorer in unserem Team, gefolgt von Rouven und überraschenderweise auch von mir mit jeweils 5 Punkten. Es war besonders erfreulich zu sehen, dass alle Spieler trotz der mittlerweile geografischen Verstreutheit (Lüneburg, Hamburg, Kiel, München, Bremen…) und diversen beruflichen/akademischen Verpflichtungen, stets probiert haben, es irgendwie möglich zu machen, sich in den Dienst der Spaßmannschaft zu stellen und wir so teilweise überbesetzt mit einem kleinen Fanclub zu den Spielen anreisen konnten. Wir sind froh über das Vertrauen, das uns bei unserem Aufstieg entgegen gebracht wurde und freuen uns umso mehr, dass das Vertrauen in uns gerechtfertigt war. Man darf gespannt sein, in welcher Form und Konstellation die Spaßmannschaft in der kommenden Saison die Bühne betreten wird.
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Ich kann mich nur wiederholen: Die Spaßmannschaft ist die Mannschaft der Zukunft! Und wer das nicht glaubt, braucht sich nur die Bildergalerie der neunten Runde anzuschauen… Glückwunsch zum mehr als verdienten Klassenerhalt!
https://lsv1873.de/2026/05/10/runde-9-bilder/