Quickborn, die gut 20.000 Einwohner zählende Gemeinde im Kreis Pinneberg, war vom 30.03 – 03.04.26 Schauplatz der diesjährigen Landeseinzelmeisterschaften.
Dass Quickborn für fünf Tage Zentrum des schleswig-holsteinischen Schachs wurde, war vor allem der Schachvereinigung Holstein von 1926 Quickborn und ihrem rührigen Vorsitzenden Gerhard Ihlendfeldt

zu verdanken, der dieses Ereignis erstmals in die „Eulenstadt“ holte.
Die LEM als stolzes Aushängeschild unseres Verbandes ist seit Längerem in der Diskussion. Kontinuierlich rückläufige Teilnehmerzahlen machten Sorge und führten zu Überlegungen, wie sowohl in der Spitze als auch der Breite Abhilfe geschaffen werden kann. Doch die Suche nach dem Königsweg muss weiter gehen. Mit 50 Teilnehmern wurde dieser offensichtlich noch nicht gefunden. Andererseits fanden viele (der Berichtverfasser eingeschlossen) diese geradezu familiäre Turnierdurchführung durchaus ansprechend.
Nachdem die Landesturnierordnung keine strikte Klasseneinteilung vorgibt, standen im Angebot:
Meisterklasse (8 TN)
Kandidaten (26 TN)
Senioren (16 TN)
Gespielt wurde in der Mensa der Comenius-Schule, eine Gemeinschaftsschule, die sich dem Motto „Unsere Vielfalt ist unsere Stärke“ verschrieben hat.

Die Bedingungen für die überschaubare Teilnehmerschar hätten kaum besser sein können. Neben dem Spielsaal

und einem Analyseraum stand ein Bewirtschaftungsraum zur Verfügung, der zuweilen eine größere Anziehungskraft besaß als der Turnierraum selbst. Hier las Gerhard Ihlenfeldt mit seinem Team alle Wünsche von den Lippen ab. Auch jene, von denen man gar nicht wusste, das man solche hatte.
Nach der Begrüßung durch Ausrichter, Verbandspräsident Dirk Martens und Landesturnierleiter Heiko Spaan wurde das Turnier pünktlich gestartet.

7 Runden an 5 Tagen, dabei am Dienstag und Donnerstag Doppelrunden.
Der LSV war mit Oliver Kaeding, Jens Maly und dem Berichterstatter auch vertreten. Nur dieses kleine Terzett konnte sich aus unserem Verein aufraffen. Eigentlich etwas schade. Aber das unmittelbar davor zu Ende gegangene DSAM-Turnier in Travemünde mag auch ein Grund für die bedauerliche Zurückhaltung gewesen sein.
Auch für uns Drei hatte die „Kaffeeklappe“ eine starke Anziehungskraft.

Etwa 5 Kilometer vor Quickborn in Ellerau fanden wir im Landhaus Saggau unser Domizil.

Jens und ich traten bei den Senioren an, Oliver entschied sich für das Kandidatenturnier.
Der Auftakt war für uns etwas ernüchternd. Jens spielte eine Kurzpartie und gab nach 2 Minusbauern gleich auf. Ich selbst lief in eine veritable Springergabel (Figurenverlust) mit demselben Ergebnis.
Besser machte es Oliver, der seinem konsternierten Gegner in Zug 23 einen überraschenden Qualitätsverlust beibrachte, den kiebitzende Schlaumeier natürlich auch gesehen haben.
Im Laufe des Turniers konnten wir (Jens und ich) aber fangen und kamen letztlich doch zu ansprechenden Resultaten.
Mit einem Sieg
in der letzten Runde kam ich auf 4/7 Punkte und Platz 5 in der Endabrechnung. Dazu noch Platz 1 in der DWZ-Wertung (unter 1700), wenn auch nach Losentscheidung mit Thomas Laubsch (SC Schleispringer Kappeln), der mit mir punkt- und wertungsgleich war.

Mit einem schönen Erfolg in der vorletzten Runde hatte Jens auch noch die Chance, weiter nach vorne zu gelangen.
Hier seine Partie mit einigen persönlichen Anmerkungen:
Doch leider musste er sich am letzten Tag, dem in diesem Turnier stark aufspielenden Manfred Dürer (Schwarzenbeker SK) beugen.
Sieger der „Senioren“ wurde erwartungsgemäß der Möllner Wolfgang Krüger. Das allerdings wurde erst am Ende entschieden, als sein härtester Konkurrent (Andy Fleischer, Elmshorner SC) gegen den Husumer Thomas Lehr verlor.
Und Oliver? Sein ehrgeiziges Ziel, um den Turniersieg mitzuspielen war nicht zu hoch gegriffen. Kein Verlust, drei Siege und vier Punkteteilungen. Davon derer auch solche, die in LSV-Kreisen auch als „Tresenremis“ oder „Koop-Stäblein-Remis“ bekannt sind.
In der Schlussrunde hatte er mit den weißen Farben gegen Matthias Braun (SC Glückstadt) anzutreten und da Beide noch Titelchancen hatten, kam für ihn (wie auch für Matthias) ein Remis nicht in Frage.
Also wurde gekämpft. Lange gekämpft und die beiden Kontrahenten waren schließlich die einzigen, die im Spielsaal noch am Brett saßen, während wenige Mete weiter bereits die Pokale für die Siegerehrung aufgestellt wurden.
Schließlich landete man in einem remislichen Turmendspiel, bei dem Oliver versuchte, „etwas Blut aus der Stellung zu saugen“

Allein, es sollte nicht sein. Zwar ergab sich für ihn auf dem Brett ein Mehrturm (K, D, T gegen K, D), doch dieser materielle Vorteil ließ sich nicht zum Punktgewinn nutzen, da sein Gegner über ein Dauerschach verfügte.
So wurde es für ihn (immerhin) Platz 3 hinter dem Kieler Stefan Ueckermann (KSG) und Hauke Maag (SG Glückstadt).

Landesmeister als Sieger der Meisterklasse wurde FM Magnus Arndt (Doppelbauer Kiel). Er und FM Oliver Zierke (Norderstedter SK) waren eindeutig bei den Buchmachern weit vorne. Entscheidend war, dass sich beide remis trennten und Oliver dann noch eine weiteres Remis gegen den Jugendspieler Conan Sasse vom Ausrichterverein zuließ. Conan kam quasi als Nachrücker ins Meisterfeld und spielte sich am Ende bis Platz 3 vor. Chapeau!
Die Turnierverantwortlichen beendeten diese LEM mit Ausblick auf das kommende Jahr. Dann wird die Meisterschaft vom Eckernförder SC ausgerichtet werden. Die Fördestadt war schon häufig Gastgeber und, soweit ich mich erinnere, waren es immer Veranstaltungen mit hoher Anziehungskraft.
Es wäre wirklich wünschenswert, wenn es ein großes, attraktives Turnier wird, wenn auch Veranstaltungen von 150 (oder mehr) Teilnehmern und vielen, vielen (MK, VMK, VMK, KD, HT, Sen., Jung-Sen., Basis) Leistungsgruppen realistischerweise kurzfristig nicht mehr erwartbar sein dürften.
Auf der Verbandsseite findet man (verlinkt zu chess results) alle Ergebnisse.
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