Zunächst wurden die Inhalte des letzten Trainings abgefragt, die Ergebnisse kann man sich hier anschauen:
Das interaktive Quiz werden wir beim nächsten Mal wiederholen, insofern lohnt sich das eingehende Studium dieses Beitrags, wenn man am 19.August dabei sein möchte 🙂
Danach ging es dann um Endspiele mit ungleichfarbigen Läufern. Abschließend haben wir wie immer sechs Aufgaben gelöst und uns eine Großmeister-Partie angeschaut.
Einleitung
Ungleichfarbige Läufer gehören zu den faszinierendsten Endspielthemen im Schach. Auf den ersten Blick wirken sie oft harmlos, doch gerade hier entscheidet sehr genaues Verständnis über Sieg oder Remis. Weil jeder Läufer nur Felder einer Farbe kontrolliert, können Angreifer und Verteidiger häufig aneinander „vorbeispielen“: Der eine kann bestimmte Felder nie angreifen, der andere bestimmte Felder nie decken.
Typisch ist deshalb ein spannender Gegensatz: Im reinen Endspiel erhöhen ungleichfarbige Läufer oft die Remischancen, selbst bei ein oder zwei Bauern weniger. Gleichzeitig können sie bei aktiven Königen, entfernten Freibauern oder mehreren Schwächen auch sehr gefährlich werden. Wer solche Stellungen gut spielen will, muss weniger rechnen als in taktischen Mittelspielen, sondern vor allem Pläne, Blockadefelder und die richtige Bauernstruktur verstehen.
In diesem Training schauen wir uns an, wann Stellungen mit ungleichfarbigen Läufern tatsächlich totremis sind, wann der stärkere Spieler Gewinnchancen hat und welche typischen Verteidigungs- und Gewinnmotive immer wieder vorkommen. Wir konzentrieren uns dabei zunächst auf das Endspiel Läufer + zwei Bauern gegen Läufer, danach gibt es einige praktische Beispiele für Endspiele mit ungleichfarbigen Läufern.
Beide Bauern auf der 6. Reihe
Beide Bauern auf der 5. Reihe
Beide Bauern Spezialfall e+f
1 Linie Abstand zwischen den Bauern
2 Linien Abstand zwischen den Bauern, Kontrolle auf derselben Diagonale
2 Linien Abstand zwischen den Bauern, Gewinnverfahren
2 Linien Abstand zwischen den Bauern, Springerbauer
2 Linien Abstand zwischen den Bauern, Randbauer
3 Linien Abstand zwischen den Bauern, Springerbauer
3 Linien Abstand zwischen den Bauern, Randbauer
Regeln für das Endspiel L + 2B – L
Für die stärkere Seite
A1: Für die stärkere Seite muss der König in die gegnerische Stellung eindringen, um zu gewinnen. Entweder zwischen den Bauern oder seitlich an den Bauern vorbei. Manchmal ist mehr als ein Versuch nötig, um Erfolg zu haben.
A2: Der häufigste Plan ist das Umgehen über die lange Seite. Die stärkere Seite braucht normalerweise einen langen Königsmarsch am Brettrand entlang und mehrere Zugzwang erzwingende Züge.
A3: Das Eindringen des Königs gewinnt normalerweise, ist aber keine Garantie für den Sieg, besonders im Fall des Springerbauern (dessen Vorrücken Probleme bereiten kann)
Für die schwächere Seite
B1: Für die verteidigende Seite muss der König den zentralen Bauern kontrollieren und der Läufer den Flügelbauern. So kann der König den Weg seines Gegenübers blockieren.
B2: Wenn der verteidigende Läufer 2 Bauern auf derselben Diagonale kontrollieren kann, ist es wahrscheinlich remis.
Wenn die Bauern verbunden sind
A: Wenn zwei Bauern auf der 6. Reihe stehen, gewinnen sie immer … Außer wenn es Randbauer+Springerbauer sind und der verteidigende Läufer auf der langen Diagonale steht.
B: Wenn zwei Bauern auf der 5. Reihe oder weiter hinten stehen, ist das Endspiel remis, wenn die verteidigende Seite die richtige Verteidigungsaufstellung erreicht. Diese Aufstellung besteht darin, den König vor die Bauern zu stellen und den Läufer so zu platzieren, dass er einen der Bauern angreift und zugleich den Vormarsch des anderen verhindert. Je weniger weit die Bauern vorgerückt sind, desto größer sind die Chancen der verteidigenden Seite, die gewünschte Aufstellung zu erreichen.
Wenn die Bauern getrennt sind
Wenn die Bauern 1 Linie voneinander entfernt sind:
A: Sobald der verteidigende König und Läufer die Blockadefelder besetzen, ist das Endspiel immer remis.
Wenn die Bauern 2 Linien voneinander entfernt sind
A: Zwei Läuferbauern gewinnen normalerweise
B: Mit einem Springerbauern ist es normalerweise remis, aber Gewinnchancen entstehen, wenn der Springerbauer noch nicht weit vorgerückt ist und der angreifende Läufer sein Umwandlungsfeld kontrolliert.
C: Mit einem Randbauern ist das Endspiel remis.
Wenn die Bauern 3 Linien voneinander entfernt sind
A: Mit einem Springerbauern entstehen Remischancen, wenn der Bauer weit vorgerückt ist.
B: Mit einem Randbauern ist das Endspiel normalerweise gewonnen.
Wenn die Bauern 4+ Linien voneinander entfernt sind
A: Das Endspiel ist gewonnen. Der angreifende König gelangt zwischen die Bauern.
Aufgaben
Das Anklicken des Diagramms öffnet die jeweilige Stellung im Analysemodus auf Lichess.
Bacrot, Etienne – Kamsky, Gata

Frolyanov, Dmitry – Suleymenov, Alisher

Felgaer, Ruben Alejandro – Obregon, Carlos Andres

Gaponenko, Inna – Hoang, Thanh Trang

Cherepkov, Alexander V – Malaniuk, Vladimir P

Bosboom, Manuel – Hodgson, Julian M

Kasparov – Topalov, Wijk aan Zee 1999
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