Bei der Trainingseinheit am 3.Juni ging es um Grundlagen der Bauernendspiele. Anschließend haben wir wie immer sechs Aufgaben gelöst und uns eine Großmeister-Partie angeschaut.
Übersicht
Einleitung
Das einfache Bauernendspiel, also König und Bauer gegen König, sollte man beherrschen, damit man weiß, ob man die entsprechenden Übergänge in dieses Endspiel entweder forcieren oder vermeiden sollte. Die schwierigeren Bauernendspiele, also die mit einem oder mehreren Bauern auf beiden Seiten, bergen so manchen Fallstrick. Für die Praxis des Vereinsspielers reicht es, wenn man die Stellungen mit einem Mehrbauern, einem gedeckten Freibauern, einem entfernten Freibauern und einen möglichen Bauerndurchbruch einschätzen kann und die Bedeutung der Opposition kennt. Wir haben uns im folgenden mit diesen Themen und einigen weiteren beschäftigt.
Ein Mehrbauer im Bauernendspiel gewinnt (fast) immer, wenn es keine Bauerndurchbrüche oder andere Überraschungen gibt.
Ein entfernter Freibauer im Bauernendspiel gewinnt (fast) immer, wenn es keine Bauerndurchbrüche oder andere Überraschungen gibt.
Ein gedeckter Freibauer ist im Bauernendspiel ein sehr großer Vorteil, weil er den gegnerischen König in seiner Bewegungsfreiheit einschränkt.
Bauernstrukturen mit Doppelbauern sind anfällig für Bauerndurchbrüche.
Die bessere Königsstellung kann auch dann den Ausschlag geben, wenn die Stellung (d.h. die Bauernverteilung) ansonsten symmetrisch ist.
In einem Bauernendspiel gibt es kaum Möglichkeiten, zu „schwindeln“, eine verlorene Stellung ist in aller Regel chancenlos verloren.
Randbauern sind im Bauernendspiel einerseit stark, weil sie den gegnerischen König maximal ablenken können, andererseits gibt es viele Stellungen, die „normalerweise“ (d.h. mit jedem anderen Bauern) gewonnen wäre, die mit dem Randbauern aber nur Remis ergeben.
Die Begriffe Opposition und Zugzwang spielen eine große Rolle.
Aufgaben
Das Anklicken des Diagramms öffnet die jeweilige Stellung im Analysemodus auf Lichess.
Bronstein – Golombek, 1946
Weiß am Zug
Wexler – Bronstein, 1960
Schwarz am Zug
Bronstein – Geller, 1961
Weiß am Zug
Bakulin – Bronstein, 1965
Schwarz am Zug
Bronstein – Kortschnoj, 1962
Weiß am Zug
Mikenas – Bronstein, 1965
Schwarz am Zug
Indjic – Carlsen, Warschau 2021
Es geht um die Stellung nach dem 26.Zug von Weiß. Die Stellung ist eigentlich Remis, aber Carlsen schafft es, die Spannung aufrecht zu erhalten (er schlägt nie auf a4) und die Stellung am Königsflügel zu gewinnen, obwohl sich sein Mehrbauer eigentlich am Damenflügel befindet. Der Zug 26…g5 ist dabei extrem wichtig. Weiß hätte diesen Zug mit 26.h4 verhindern sollen. Aber vermutlich hätte Carlsen dann einen anderen Weg gefunden, um dem Gegner Probleme zu bereiten 🙂