Am Freitag den 22. Mai fanden sich 10 Schachspieler im Clubheim ein, um das fortgeschrittene Thema „Turm gegen Läufer und Springer“ zu untersuchen. Zugegeben: das ist keine leichte Kost. Trotzdem kam neben einem durchaus erwünschten Lerneffekt der Spaß am Schach nicht zu kurz.
Mitmachen war angesagt, durch Mitdenken, Mitrechnen, Aufgaben lösen und Diskutieren. Das Material hatte Christoph ausgewählt. Hier folgen die Stellungen, Varianten und Hinweise zum Nachspielen und Auffrischen:
Einführung
Das Materialverhältnis von 2 Leichtfiguren gegen Turm (und Bauern) kommt häufig in praktischen Partien vor. Die Stellungen sind nicht leicht zu beurteilen und zu spielen. Meist gewinnt die Partei, die die taktischen Möglichkeiten und die Pläne, die sich aus diesem Materialverhältnis ergeben, besser kennt. Dabei finden sich in der Schachliteratur nicht viele Lehrbücher, die sich speziell mit diesem Materialverhältnis beschäftigen. Eine generelle Beurteilung „2 Leichtfiguren sind deutlich stärker als ein Turm“ wird in der Regel der Stellung und den Problemen, die die Spieler lösen müssen, nicht gerecht.
Dabei hängt es natürlich davon ab, welches weitere Material noch auf dem Brett ist, wie aktiv die Figuren sind, wie es um die Königssicherheit bestellt ist und nicht zuletzt welche Seite die Initiative hat.
Im Training haben wir uns speziell mit Läufer und Springer gegen Turm beschäftigt. Darüber hinaus kann natürlich auch 2 Läufer oder 2 Springer gegen Turm vorkommen.
Ein paar Regeln, die oft (aber nicht immer) stimmen und den Spielern als Leitfaden dienen können:
- Im Mittelspiel sind Läufer und Springer oft deutlich besser als ein T (selbst wenn die Turmpartei noch einen oder mehrere Bauern extra besitzt), da vor allem bei Damen auf dem Brett die Leichtfiguren einen Königsangriff unterstützen.
- Im Endspiel profitiert vor allem die Partei, die die Möglichkeit hat Freibauer(n) zu bilden.
- Generell: L+S können Freibauern schnell und gefährlich nach vorn treiben.
- Generell: Die Turmpartei ist in der Regel stärker, wenn kein weiteres Turm-Paar auf dem Brett ist.
Quellenverzeichnis
- Jussupow: Chess Tigers Universität, Grundkurs Endspiele 2 – Theorie für Praktiker, 2013, von GM Dr. Karsten Müller
- Jonathan Tisdall: Improve Your Chess Now, 2023 Edition
- Maximenko/Srokovsky/Braslawski: Mastering Rook vs. Minor Pieces, 1999
- Alexander Panchenko: Mastering Chess Middlegames, New In Chess 2015
- Chessbase Megabase 2022 – kommentierte Partien
- Youtube Videos, z.B.: Saint Louis Chess Club, 2016, Rook vs. Two Minor Pieces | Endgame Class – NM Caleb Denby
- Youtube Video, Mattsetzen mit Läufer und Springer, The Big Greek
Endspiel
Die ersten 3 Beispiele zeigen die Überlegenheit von Läufer und Springer bei Umwandlung eines Freibauern. Das vierte Beispiel zeigt wie der Turm in Zusammenarbeit mit seinem Freibauern gefährlich ist.
Visualisierungsübung
Mittelspiel
Im Mittelspiel setzen sich oft die Leichtfiguren durch, speziell wenn ein Königsangriff organisiert werden kann.
Aber auch hier gilt „es kommt darauf an“. So zeigt das erste Beispiel zwar ein Materialverhältnis, bei dem der Turm die Oberhand behält, dies ist aber nicht dem Materialverhältnis geschuldet, sondern der Tatsache, dass Weiß Initiative und Königsangriff auf seiner Seite hatte.
Das zweite Beispiel ist für Vereinsspieler typisch: viele ausgelassene Möglichkeiten, weil die Gesetzmäßigkeiten den Spielern nicht klar waren.
Im dritten Beispiel folgt ein meisterhaft vorgetragener Königsangriff den die Leichtfiguren ermöglicht haben. Turm und gedeckter Freibauer von Weiß kamen gar nicht zum Zuge.
Übungsaufgaben
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