„Ein Sturm zieht auf.“ Diese Worte waren der erste Gedanke, der mir nach einer wenig entspannten Nacht in einem steinharten Bett mit einem schnarchenden Zimmergenossen am Donnerstagmorgen durch den Kopf ging. Zwar hatte ich keine Ahnung, wieso mich gerade diese Worte im Schlaf begleitet hatten, aber mit Blick auf die Ereignisse, die im Turnierverlauf folgten, waren sie erstaunlich passend gewählt. Dabei startete die LJEM 2026 eigentlich ganz normal. Trotz viel Diskussion und Sorge in den letzten Jahren, war das Kiek In in Neumünster wieder die Spielstädte der Wahl, um unter über 210 schachbegeisterten Kindern und Jugendlichen die Landesmeister und Qualifikationsplätze für die DEM in 12 Altersklassen auszuspielen. Die Lübecker Delegation bestand aus 27 Teilnehmern, die von einem fünfköpfigen Team bestehend aus Tom, Christoph, Helene, Nicole und mir trainiert und betreut wurden. Die Organisation des Turnieres oblag dieses Jahr mit Benjamin ebenfalls einem Lübecker, der sich im letzten Jahr mit nur 18 Jahren für diese anspruchsvolle Aufgabe lobenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat. Er und sein Team leisteten eine tolle Arbeit, ein reibungsloses Turnier mit einem schönen Rahmenprogramm durchzuführen. Doch ab Donnerstag kam ein Faktor, gegen die alle Anwesenden machtlos waren: Ein ansteckender Erreger trieb sein Unwesen in den Hallen des Kiek In. Als einen der ersten traf es unseren u10-Topfavoriten Mavi, der das Turnier nach nächtlichen Erbrechen vorzeitig abbrechen musste.

Dies blieb leider kein Einzelfall und in den Folgetagen summierten sich die Abbrüche und Symptome. Es blieb die Frage, ob es sich um eine einfache Magen-Darm-Erkrankung handelte oder möglicherweise Noroviren. Zeitzeugen berichteten hier mit viel Respekt von den Zuständen bei den DVM 2014, die wegen eines Ausbruchs von Noroviren vorzeitig abgebrochen wurde. Das gleiche Schicksal ereilte nun auch die LJEM, als die Veranstaltung nach einem bestätigen Norovirus-Fall das Gebäude zunächst durch die Feuerwehr abgeriegelt und dann durch das Gesundheitsamt am Samstag auf der Stelle beendet wurde. Es folgten hastiges Einpacken, hektische Telefonanrufe an Eltern und permanentes Desinfizieren der Hände. Das schöne Turnier nahm so leider ein sehr abruptes Ende, aber aus gesundheitlicher Sicht war es die richtige Entscheidung. Da in der U14-U18 noch eine Runde und in der U10-U12 noch zwei Runden offen waren, gab es für die meisten Kinder trotz der Hektik nur turnierbetreffende Fragen (Werden die Runden nachgeholt? Bin ich jetzt Landesmeister? Habe ich mich qualifiziert?). Die Antwort gab es einen Tag später als die Turnierleitung bekannt gab, dass die Runden nicht nachgeholt werden, sondern die aktuellen Tabellenstände als Grundlage genommen werden. Verständlicherweise wurde diese Nachricht je nach aktueller Platzierung emotional sehr unterschiedlich aufgenommen. Realistisch betrachtet erschien es jedoch nur schwer möglich, auf die Schnelle einen Ort für 200 Schachspieler nach Ferienende zu organisieren, wo alle Spieler Zeit haben und noch alle Fristen für die Deutschen Meisterschaften eingehalten werden, was durch die späten Osterferien dieses Jahr ohnehin schon knapp war. Daher lohnt es sich nicht, über diese Entscheidung weiter zu diskutieren, sondern stattdessen einen Blick auf die Lübecker Bilanz zu werfen. Diese fällt platzierungsmäßig mit 2 Landesmeistern, 2 Landesmeisterinnen, 2 Vizemeistern, 2 dritten Plätzen und 5 weiteren Top 10 Platzierungen sehr erfolgreich aus. Aber auch spielerisch gab es einige Überraschungen und deutlich sichtbare Verbesserungen bei vielen Spielern, was mich optimistisch für das restliche Jahr stimmen lässt.

U10

Es ist nur schwer zu glauben, dass Mark mit seinen acht Jahren schon die dritte LJEM bestreitet. Nachdem er bereits letztes Jahr von der Schachjugend für die Deutsche Meisterschaft nominiert wurde, wegen einer schwächeren Zweitwertung „nur“ Vizemeister in der u8 wurde, reichte es mit starken fünf Punkten dieses Jahr für den Landesmeistertitel und Platz 8 in der U10. Somit wurde Mark auch dieses Jahr wieder für die DEM nominiert.

Schwester Bina spielte in der weiblichen U10-Klasse. Die Trainingsfortschritte in den letzten Monaten machten sich bemerkbar und sie konnte mit 4 Punkten ein überzeugendes Resultat vorweisen. Insbesondere der Schlussrundensieg gegen die Vizemeisterin Emmy war ein sehr schöner Erfolg.

Mark
Bina

Louis hatte durch die DVM schon erste Erfahrungen mit Turnieren dieser Art gesammelt. Er spielte in den meisten Partien daher schon deutlicher entspannter und routinierter als noch in Stuttgart. An manchen Stellen war die Opferbereitschaft vielleicht noch etwas zu hoch, die Fortschritte waren jedoch klar erkennbar und mit vier Punkten und dem 16 Platz erzielte er ein schönes Ergebnis.

Andrei war zum ersten Mal mit dabei und spielte eines seiner ersten Langzeitturniere. Er zeigte über weite Strecken bereits schöne Partien und ein fortgeschrittenes Verständnis für die Stellungen. Er neigte leider dazu, seine Partien etwas zu schnell aufzugeben, da er mit dem üblicherweise sehr wechselseitigen Verlauf der Partien in der Altersklasse noch nicht so vertraut war. In Zukunft wird ihm das nicht mehr passieren.

Louis
Andrei

Der Unglücksrabe war Mavi, der mit fast 1700 DWZ als Setzlistenerster in das Turnier startete. Sein größter Gegner war der Zeitmodus (75 Minuten ohne Inkrement und Zeitgutschrift), was ihm eine Partie kostete, mit 3/4 war er aber noch gut dabei. Am Abend spielte er noch motiviert beim Elo-Blitz Turnier mit, bevor ihn in der Nacht ein Magen-Darm-Virus für den Rest des Turniers außer Gefecht setzte. Es bleibt zu hoffen, dass er aufgrund der Umstände noch über einen Freiplatz noch zur DEM fahren darf.

Mavi

U12

Ob am Billardtisch, auf dem Volleyballfeld oder am Schachbrett, Max stets gut gelaunt und hatte sichtlich Spaß auf dem Turnier. In seinen Partien spiegelte sich dieser Optimismus wieder und er wusste kreative Pläne und Ideen auf das Brett zu bringen. Seine Gegner wollten diese Ideen leider nur bedingt zulassen, aber insbesondere mit seinem Schlussrundensieg ließ Max den Vereinsraum erstrahlen.

Nachdem es die letzten beiden Jahre immer nicht passte, nahm York nun an seinem ersten großen DWZ-Turnier teil. Gerade in den ersten Partien ließ er sich noch gerne von den schnellen Zügen der Gegner mitreißen. Im Laufe des Turniers lernte er aus diesem Fehlern und steigerte die Qualität seiner Partien erheblich. Nicht immer wurde das direkt belohnt, aber er konnte dennoch gut punkten und auch beim Grand-Prix am folgenden Freitag zeigen, dass er das längere Nachdenken verinnerlicht hatte.

Max
York

Niilo startete mit 4/4 hervorragend in das Turnier und auch qualitativ erweckten seine Partien den Eindruck, dass ganz oben mitspielen würde. Im Duell gegen den späteren Landesmeister Ata Lucien unterlag er jedoch dem gegnerischen Königsangriff, was ihn etwas aus seinem Rhythmus zu bringen schien. Eine Folge-Partie gegen einen Vereinskameraden und Freund war da leider nicht der richtige Weg, um ihn wieder in Stimmung zu bringen und das Turnier endete für Niilo etwas undankbar auch wenn seine Form in der ersten Hälfte sehr beeindruckend war.

Kurz vor Turnierbeginn schien Alfred einen großen Motivationsschub bekommen zu haben. In den ersten beiden Tagen bevor sein Turnier startete, spielte er gegen mich mehrere Dutzend Partien und zeigte dort erstaunliche Lernkurven. Im Turnier selbst setzte er viel Gelerntes direkt um und sein aggressiver aber kontrollierter Spielstil überraschte viele seiner Gegner. Er hatte sich mit 4,5/6 klar an den Live-Brettern etabliert bis ihn eine Schlussniederlage gegen Adam etwas bitter auf Platz 10 zurückwarf. Insgesamt war hier jedoch eine tolle Entwicklung zu beobachten.

Niilo
Alfred

Finn zeigte genau wie Niilo in den ersten Runden einen starken Mix aus geduldigem, positionellem Spiel und einer hohen Verwertung von Chancen. Gegen Landesmeister Lucien hatte er eine aussichtsreiche Stellung auf dem Brett bevor ihm durch eine Unachtsamkeit ein Klotz stiften ging. Am Ende reichte es mit 4,5 Punkten für den 9. Platz.

Ebenfalls mit 4,5 Punkten auf Platz 8 landete Samuel, der als zertifizierter Hütchenspieler in taktischen Stellungen gegenüber seinen Gegnern immer die Oberhand hatte. Das stellte er auch beim offenen Elo-Blitz Turnier gegen ältere Spieler eindrucksvoll unter Beweis. In positionelleren Stellungen war er dann manchmal etwas zu schnell unterwegs und überreizte sein Blatt. Diesen Aspekt dürfte jedoch die Zeit heilen können.

Finn
Samuel

Als Vizelandesmeister in der U10 im Vorjahr war Theo auch in der U12 ein Anwärter auf die vorderen Plätze. Seine Bedenkzeitnutzung hatte sich seit der DVM in Stuttgart deutlich verbessert und es unterliefen ihm kaum Flüchtigkeitsfehler. Von einer bitteren Niederlage in Runde 3 konnte er sich schnell erholen und mit 5 Punkten und Rang 5 spielte er ein schönes Turnier.

Ähnliche Erwartungen durfte man an Vorjahres-u10-Landesmeister Adam haben. Er hatte in den letzten Monaten viel trainiert, da er sich unbedingt wieder für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren wollte. Daher zeigte er am Brett wie gewohnt einen starken Kampfgeist und gab sich nur selten mit einem remis zufrieden. Dies trieb er soweit auf die Spitze, dass er sich in einer Partie bewusst gegen ein Dauerschach entschied und in ein Endspiel mit Minusqualität abwickelte. Objektiv fragwürdig, aber der anschließende Sieg gab ihm Recht. Der vorzeitige Turnierabbruch war für ihn besonders bitter, da er mit Platz 3 ganz knapp am Qualifikationsplatz vorbeischrappte.

Theo
Adam

Den Qualifikationsplatz konnte sich dafür Henning sichern. Nach einer etwas unerwarteten Niederlage gegen Alfred ließ er nichts mehr anbrennen und konnte alle Partien mit seiner gewohnt ruhigen und kalkulierten Spielweise für sich entscheiden und sich seinen sehnlichen Wunsch der DEM Teilnahme erfüllen.

Henning

U14

Enno zeigte im Vergleich zum letzten Jahr deutliche Fortschritte mit Blick auf seine Mittelspiel-Pläne und Weitblick für die Pläne des Gegners. In der Analyse gab er sich sehr selbstkritisch und ermahnte sich selbst, wenn er sich vom Schnellspielen des Gegners anstecken ließ. Auch gegen deutlich favorisierte Gegner machte er ihnen das Leben so schwer wie möglich.

Jonathan war erst im Januar dem Verein beigetreten und hatte bislang noch nicht viel Erfahrung über die langen Bedenkzeiten gesammelt. Er wusste jedoch gut mit seiner Bedenkzeit umzugehen und machte es auch deutlich stärkeren Gegnern sehr schwer. An einigen Stellen war er noch etwas zu angriffslustig unterwegs, was ihm ein paar Punkte kostete. Mit 3,5 Punkten fuhr er aber ein gutes Ergebnis für sein LJEM-Debüt ein.

Enno
Jonathan

Paul erwischte mit 3,5/4 einen sehr schönen Start mit sehr sauberen und für ihn überraschend disziplinierten Eröffnungen. Eine fünfstündige Partie gegen seinen langjährigen Widersacher Michael Moskalenko am Tag eine Doppelrunde kostete ihn viel Kraft, wodurch ihm auch die zweite Partie am gleichen nach einer scharfen Eröffnung entglitt. Somit fühlte sich das Endergebnis für ihn nicht sehr belohnend an, aber seine Bereitschaft komplizierte Endspiele bis zum Ende auszukämpfen verdient Anerkennung.

Paul

U16

Für eine kleine Sensation sorgte Yaron, der gerade in der ersten Turnierhälfte sehr stark aufspielte. Erst zwei Siege gegen 450 stärkere Gegner gefolgt von einem Überraschungssieg gegen einen 600 Punkte stärkeren Gegner dank eines frechen Hütchentricks in einem wechselseitigen Endspiel. Auch im Folgenden zeigte er weiterhin ereignisreiche Partien und stellte seine Gegner auf die Probe. Der 200 Punkte DWZ Zuwachs unterstreicht diese starke Performance.

Ida Klara zeigte viele schöne Partien mit kreativen Ideen im Mittelspiel, dank welchen sie meistens an den vorderen Brettern spielte. Insbesondere in ihren Eröffnungen waren bei ihr im Vergleich zum Vorjahr deutliche Verbesserungen zu beobachten. Einzig die Zeit machte ihr streckenweise zu Schaffen und so manch ausgeglichenes Endspiel entglitt ihr leider unter Zeitnot. Am Ende erreichte sie klar den Landesmeistertitel in der U16w und Platz 10 im Gesamtturnier.

Yaron
Ida Klara

Zwei bittere Niederlagen gegen Vereinskollegen zu Beginn des Turniers machten es Enes schwer, motiviert zu bleiben. Doch er konnte sich überraschend schnell fangen und lieferte mit 5/6 Punkten eine sehr starke Comeback-Leistung, die ihm mit Platz 9 noch eine Top-10 Platzierung einbrachte.

Hanno konnte in dem Turnier durchweg mit sehr starken Leistungen im Mittelspiel überzeugen, wodurch er einige schöne Siege einfuhr und sich auch gegen die Mitfavoriten Chidera und Darian aussichtsreiche Stellungen erkämpfen konnte. Dort kam es in beiden Fällen zu unglücklichen Ausgängen, aber mit Platz 3 gab es am Ende dennoch eine erfreuliche Platzierung.

Enes
Hanno

Unser Neuzugang aus dem letzten Jahr, Elia, arbeitete in den letzten Monaten verbissen daran, sein Können von Bullet und Blitz-Partien auf Turnierschach umzusatteln. Nach einer bitteren Niederlage in der zweiten Runde war Elia nicht mehr zu stoppen und holte beeindruckende 5,5/6 Punkte. Dabei schaltete er er auch recht eindrucksvoll die Mitfavoriten Chidera und Darian aus. Wäre das Turnier regulär weitergegangen, hätte Elia noch Titelchancen gehabt. So wurde es ein starker Vizemeistertitel.

Elia

U18

Tim hatte mit 2/2 einen schönen Start und mit 2/2 einen schönen Abschluss erspielt. Dazwischen lief es punktemäßig nicht ganz so rund, auch wenn seine Partien stets spannend und chancenreich waren. Gerade gegen den Zweiplatzierten Narek konnte er lange sehr gut mithalten und auch auf Vorteil spielen.

Ida ging zwar als Mitfavoritin um den Titel des Landesmeisterin ins Rennen, aber die Souveränität mit welcher sie sich schließlich den Titel sichern konnte, war doch etwas überraschend. Zumal ihr Turnier mit einer sehr bitteren Niederlage nach fünf Stunden gegen Vereinskollegen Jonas startete. Danach zeigte sie jedoch qualitativ sehr überzeugendes Schach, welches ihr den 8. Platz im Gesamtturnier mit 1,5 Punkten Vorsprung auf das nächste Mädchen einbrachte.

Tim
Ida

Jonas zeigte sich wie immer sehr kampfbereit mit einer hohen Motivation, seine Partien bis zum Ende auszukämpfen. Dafür wurde er einige Male belohnt und auch seine Eröffnungen wirkten deutlich besser auf seinen Spielstil zugeschnitten. Mit Platz 6 erreichte er am Ende eine schöne Platzierung.

André hat sich in den letzten Jahren den Status als Dark Horse erkämpft, da er bei den Landesmeisterschaften immer in 1-2 Partien gegen nominell deutlich stärkere Gegner gewinnen konnte und damit schon so manchen Titelkampf zu einem unerwarteten Ausgang brachte. Auch in diesem Jahr war auf ihn Verlass als er in der dritten Runde gegen CM Bjarne Vollbehr gewinnen konnte. Danach schien er seinen Soll erfüllt zu haben und er gab sich mit einigen Punkteteilungen zufrieden. Dank hoher Buchholz reichte es aber dennoch für einen starken 4. Platz.

Jonas
André

Ein direkter Profiteur des Trumpfes von André war Justus, da im Vorhinein ein enger Titelkampf zwischen ihm und Bjarne zu erwarten war. Er startete souverän mit 5/5 bevor es in das direkte Duell gegen Bjarne ging. Nach einer etwas besseren Eröffnung und einem ausgeglichenen Endspiel, kamen beide in Zeitnot, in welcher sich Bjarne knapp durchsetzen konnte. Während Justus danach beide Partien gewann, musste Bjarne gegen Narek noch einen Punkt liegen lassen, wodurch Justus sich zum Landesmeister küren durfte.

Justus

Somit werden uns auf den Deutschen Meisterschaften (DEM)

  • Mark (u8)
  • Henning (U12)
  • Levi (U16)
  • Ida Klara (16w)
  • Justus (U18)
  • Ida (U18w)

sowie auf den Offenen Deutschen Meisterschaften (ODJM)

  • Adam (ODJM C)
  • Elia, Benjamin, Paul (ODJM B)
  • Tom Linus (ODJM A)

in Willingen vertreten.

Rahmenturniere

Das Überraschungsschach wurde dieses Jahr von Joa geleitet. Auf über 100 Textschnipseln in einem Lostopf verteilt, hatte er sich diverse Gemeinheiten und Raffinessen ausgedacht, um die klassischen Schachregeln auf den Kopf zu stellen und für unerwartete Wendungen zu sorgen. Unter den 45 Teilnehmern waren sieben Lübecker dabei – darunter auch ich, wobei ich mir eigentlich vor vielen Jahren geschworen hatte nach unfassbaren Betrugsszenen diesem Turnier nicht mehr beizuwohnen. Mit einem Blick auf die Endtabelle könnte man fast vermuten, dass Joa stets an den Lübecker Brettern gestanden hätte und je nach Bedarf entsprechende unterstützende Regeln aufgerufen hätte. Die ersten drei Plätze wurden nämlich durch mich, Hanno und Justus belegt.

Mit André und Helene hatten wir noch zwei weitere Spieler in den Top-10. Die Regeln empfand ich persönlich insgesamt deutlich fairer, kreativer und weniger willkürlich als ich es von den letzten Jahren gewohnt war. Ausnahme war hier „die Bienenkönigin“, wo beide Spieler Best-of-3 Schnick-Schnack-Schnuck um die Dame des Gegners spielen mussten. Das wirkte dann doch etwas willkürlich. Aber damals waren Anweisungen wie „das Brett wird gedreht“, „Reihe x und y werden komplett geräumt“ oder „der Spieler, der am Zug ist darf dreimal ziehen“ deutlich unfairer und vor allem häufiger an der Tagesordnung. Zu unserer Enttäuschung gab es als Preise leider keine großen Ü-Eier, aber das Turnier wurde trotzdem in guter Erinnerung gehalten.

Die Landesblitzmannschaftsmeisterschaft steht bei den Lübecker Spielern seit einigen Jahren nicht mehr so hoch im Kurs. So eigentlich auch dieses Jahr, wo sich zunächst kein Team fand. Die Wende wurde ausgerechnet durch André gebracht, der nach seinem fünfstündigen Sieg gegen Bjarne um 18:55 plötzlich ein nie da gewesenes Maß an Motivation und guter Laune mitbrachte, dass er kurzerhand auch noch Hanno und Eryk im Schlepptau zur Anmeldung brachte. Da das Turnier um 19:00 losging, wurde notgedrungen ein Teamer als vierter Spieler eingewechselt. Unter der lodernden Flamme von André holte sich das Team ungeschlagen den ersten Platz. Aufgrund der Mischung mit dem Harksheider Teamer war das Team leider nicht für den Titel berechtigt, aber war trotzdem ein schöner Erfolg und eine starke Teamleistung.

Das Chaos-Schach ist traditionell eine Veranstaltung, wo Lübeck stets sehr erfolgreich ist. Auch unter Joa wurde das bewährte Dreier-Team-Format fortgeführt. Doch zunächst gab es von Lübecker Seite überraschende Zurückhaltung bei der Teilnahme. Joa versuchte für die Planung mehrfach vergeblich von mir zu erfahren, wie viele Teams von Lübeck denn mitspielen würden. Aber die fünf Lübecker Teams bildeten sich erst sehr kurzfristig 15 Minuten vor Turnierbeginn. Traditionell wurde die starke Rivalität zwischen Lübeck und Kiel fortgeführt, die damals von Birger und Martin mit dem Teamnamen „Hauptsache nicht Kiel“ eingeführt wurde. Dieses Mal hieß das Kieler Team „Hauptsache vor Lübeck“ und das Lübecker Spitzenteam bestehend aus André, Ida Klara und Jonas konsequenterweise „Lübeck“. Joa entfesselte das Chaos an allen Brettern, wo zunächst die Varianten Müllschach, King of the Hill und Räuberschach gespielt wurden. Im Verlauf standen auch Tandem, Tridem und Münzschach auf dem Speiseplan, wobei insbesondere Tandem dem eingespielten Ida/André Gespann sehr in die Karten spielte. Dementsprechend war es keine Überraschung, dass dieses Team am Ende auch als Sieger gekürt wurde. Doch wie konnte es anders sein, die Kieler Truppe angeführt von Jonas Stegert konnte mit dieser Schmach nicht leben und versuchte verzweifelt aus dem System noch ein paar Brettpunkte zusammenzukratzen. Aber es stand außer Frage, welcher Verein der wahre Herrscher über das Chaos ist. Zumal das Treppchen durch unsere Juniors Niilo, Finn und Samuel komplettiert wurde.

Am Freitag wurde das Elo-Blitz Turnier ausgetragen und 12 Lübecker nahmen an der Veranstaltung teil. Aus Zeitgründen wurden die ursprünglich 13 geplanten Runden auf 10 reduziert. In den Top-10 waren wieder einige Lübecker zu finden. Bester Lübecker wurde GurkenMeister André auf dem vierten Platz aufgrund der schlechteren Buchholz. Er hatte zwar Jonas Stegert in der Runde C e durch einen Sieg im direkten Duell erfolgreich seine Titelchancen genommen, musste aber zuvor einen Verlust gegen Niilo einstecken. Dahinter liefen Eryk auf Rang 5 und Christoph auf Rang 8 ein. Die Überraschung des Turniers war wohl Samuel, der den 10 Platz mit Siegen gegen Britta Leib und Siegfried Priemer erreichte und deutlich oberhalb seiner Zahl spielte. Sieger wurde Conan Sasse, der nur gegen Elia eine Niederlage einstecken musste.

Die weiteren Rahmenturniere wie das Ü-Schach für die Kleinen und vor allem das große Tandemturnier mussten aufgrund der gesundheitlichen Situation leider entfallen. Das sorgte natürlich zunächst für Enttäuschung, konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Orga-Team rund um Benjamin einen tollen Job geleistet hat und das Turnier auch dieses Jahr wieder zu einem der schachlichen Höhepunkte im Jugendschach erstrahlen lässt.

Das Trainer/Betreuer-Team

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2 Kommentare zu „LJEM 2026 – Abschlussbericht“
  1. Vielen Dank für den ausführlichen Bericht, Philipp!
    Es freut mich, dass unser Überraschungsschach so gut angekommen ist. Das Lob für die kreativen Regeln kann ich an Alwin weitergeben. Wenn dir das Brettdrehen nicht gefällt, kannst du dich bei den Losfeen Ida und Eryk bedanken, das stand eigentlich oben an das Tagesordnung 😉

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