Ein Schritt zuweit in die falsche Richtung

Gestern standen wir am Abgrund, heute planen wir den Wiederaufstieg!
So überschreibt unser MF seinen Abschlußbericht einer ziemlich verkorksten Saison.
Nach ca. 30 Jahren Verbands- und Landesliga hat es nun die Fünfte erwischt und die nächste Spielzeit muss in der Bezirksliga bestritten werden. Wie kam´s ? In diesem Jahr waren wir deutlich stärker besetzt als früher und auch immer vollzählig.
Gereicht hat es aber dennoch nicht. Der letzte Mannschaftskampf ähnelte den vorhergegangenen Runden, in denen zahlreiche Chancen liegengelassen worden waren. Falsche Stellungseinschätzungen, Fehlkalkulationen, zu sichere oder zu riskante Spielanlage,
die Gründe sind vielerlei Art. [Aus meiner (MN) Sicht gibt es eine weitere Ursache: das Zeitnot-Gespenst geht permanent um …] Unsere Startaufstellung war die nominell zweitstärkste, die wir bislang an die Bretter brachten. Mit einem DWZ-Schnitt von 1913 lagen wir satte 80 Punkte vor der zweiten Garnitur der Norderstedter. Hier ein paar Bilder, weitere in Ullis Beitrag zur 9. Runde. 

Zu Beginn also „Daumen hoch“, zumindest signalisierte das Joachim an Brett 3, der gegen Sven Sonntag mit 1.c4 e6 2. g3 Sf6 3.Lg2 d5 und sofortigem d4 ambitioniert auf Raumvorteil spielte. Ebenfalls engagiert wirkte Hartmuts Slawisch gegen Ralf Bohnsack, immerhin gute 100 DWZ „gewichtiger“. Das Nehmen des Bauern auf b2 schien mir „vorbereitet“, d.h. Hartmut wußte, was er riskiert.
Mein Gegner an Brett 3, Mehmet Y. Deniz hatte mich 2022 bei Auswärtskampf in Norderstedt in meiner „geliebten“ Goldman-Variante 1.e4 c6 2.Sc3 d5 3.Df3 „überlistet“, deshalb wollte ich ihm diesmal was Neues „servieren“. Also 1.d4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4. Sf3 Sf6 5.Se5 – das hatte Nigel Short probiert, ein recht giftiges Manöver. Der Partieverlauf (s.u.) spricht nicht gegen 5.Se5, aber gegen die Tiefe meiner Vorbereitung.
Ab Brett 4 hatten wir mehr oder weniger klare DWZ-Vorteile, aber hier ereigneten sich „Dramen“:
Oliver hatte in einem c3-Sizilaner mit schwarzem g6 gg. Enrico Eichstedt eigentlich keine Mühe, aber leider bald kaum Zeit mehr. Irgendwann waren dann zwei Bauern und nach der Zeitkontrolle die Partie weg. Heiko schien an Brett 5 gg. Björn-Andreas Schröder aus seinem „Modern“ heraus guten Königsangriff zu haben, geriet aber ebenfalls in Zeitnot und nach der Zeitkontrolle in ein verlorenes Endspiel trotz ungleicher Läufer.
Beispielhaft für ein gewisses Unvermögen an diesem Tag war Matthias´ Partie gg. Uwe Jeske:
Eigentlich alles richtig gemacht, den Stellungsvorteil verdichtet und dann mit wenig Zeit eine Zugwiederholung angestrebt, weil kein klarer Gewinnweg offensichtlich. Weiterspielen hätte aber vermutlich (mit Sicherheit – MN) ausgereicht, den Punkt nach Hause zu fahren.

Eine Stunde vor der Zeitkontrolle glaubte MF beim Blick auf die umgebenden Bretter, noch Grund zum Optimismus zu haben.
Etwas überraschend willigte
Hartmuts Gegner unter Zeitdruck in ein frühes Remis ein, somit stand es 1:1.
Axel überspielte an Brett 8 Rüdiger Schäfer mit seinem Orang-Utan nach allen Regeln der Kunst, unzählige Fesselungen und Angriffe drohten. Und Thomas hatte am 7. Brett gg. Anke Freter eine solide, allerdings wenig aussichtreiche Stellung.
Mir war ein Bauer abhanden gekommen, bei günstigerem Partieverlauf hätte ich es als Bauernopfer deklariert. Doch noch hatte ich mit einem Turm auf der 7. Reihe gewisses Gegenspiel.
Leider kam es dann schlimmer, als es zu befürchten war:
Joachim hatte plötzlich 3 Bauern weniger, somit eine aufgabereife Stellung, gleiches Schicksal ereilte Oliver.
Damit 1-3 und Heiko verrechnete sich bei einer Abwicklung: 1-4 und kaum noch Hoffnung auf ein 4-4, da ich (MN) auf Verlust stand.
Aber es geht noch ärger:
Axel hatte sich, statt eine Figur einzusacken (Stellungsbeurteilung +12), mit einer Qualität zufrieden gegeben.
Die resultierende Stellung war schwierig zu gewinnen, dann plötzlich Szenenwechsel: Figurenverliust und Aufgabe: 1:5 – Abstieg gesichert …
Mir gelang es dann – bei nachlassender Konzentration meines Gegners, eine -7-Stellung ins Remis zu retten, tröstliches Ende einer sehr spannenden Partie. Am Ende gewann Thomas sein Läuferendspiel, eine Partie auf drei Ergebnisse, das endlich mal zu unseren Gunsten ausging. Mannschaftsfoto gab es dann keines, die langen Gesichter hätte in kein Format gepaßt.

Zum Saisonabschluß noch drei Partien (in leichter Kommentierung von MN und Axel), ich danke Matthias und Axel für die Bereitstellung.

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