Kreisklasse: LSV X – SG TSV Kücknitz/TSV Travemünde I

Im ganzen Vereinsheim wurde am letzten Freitagabend ganz locker und entspannt Schach gespielt oder es wurden tiefsinnige Gespräche am Tresen geführt. Im ganzen Vereinsheim? Nein! Ein von vier unbeugsamen Lübeckern bevölkerter Raum war geprägt von ernstem und nicht enden wollendem Widerstand gegen die Eindringlinge aus Travenitz.

Hier fand ab 19:30 Uhr das Spitzenspiel der Wochentags-Liga (offiziell Kreisklasse B Ost) statt, jedenfalls wies Ede bei der Begrüßung der Gäste darauf hin.

Ich spielte an Brett 4 mit Weiß gegen Nico Taubert. Er überraschte mich mit einem frühen a6 (1. e4 c5 2. Sf3 a6), das kann man spielen, alles ok. Im Mittelspiel entstand eine komplizierte, aber ausgeglichene Stellung, keiner von uns wollte Figuren tauschen. Als er sich dann doch dazu entschloss, war es ein Fehler. In der Folge konnte ich mit meinen Figuren das Zentrum nutzen und direkte Drohungen gegen seinen König und seine Dame aufstellen. Das ging nicht lange gut, ich konnte entscheidend Material gewinnen und Nico gab auf. Bei der Analyse erzählte er, dass er erst seit kurzem Schach spiele und Fußball dabei eine Rolle spielte. Ist ja auch logisch, sind ja beides Mannschaftssportarten.

Ich ging zurück in den Spielsaal und hoffte, dass wir zügig noch irgendwie 1,5 Punkte zusammen bekommen und ich schnell nach Hause käme. Daraus wurde aber nichts. Martin Herrnkind an Brett 1 machte seinem Ruf alle Ehre und dachte bei vollem Brett intensiv nach. Und zwar so intensiv, dass er nach 20 Zügen bereits 110 Minuten verbraucht hatte, in der Kreisklasse gibt es kein Inkrement, ihm blieben also für 20 Züge noch 10 Minuten. Ich verbuchte innerlich eine 0 an diesem Brett. Frank Jankowiak an Brett 2 hatte meiner Ansicht nach eine vorteilhafte Stellung, aber es war noch nichts Entscheidendes. Bei Andreas Richter an Brett 3 blickte ich nicht so richtig durch, schien mir aber ausgeglichen zu sein. Und so blieb es auch in den folgenden Stunden.

Gegen 23:00 Uhr hatte Andreas 40 Züge gespielt, auf dem Brett war ein Endspiel mit jeweils 3 Bauern, Turm und Springer entstanden. Er fand das nun nicht so gewinnträchtig und wollte wissen, er auf Gewinn spielen müsse. Er schaute sich die beiden anderen Bretter an und spielte weiter. Martin hatte zwischendurch Jörg Gerstel remis angeboten, der hatte aber abgelehnt. Und wie oft bei Martin klappte es nun auch mit dem Schnellspielen. Erst drückte er auf einen rückständigen Bauern im Zentrum, dann öffnete er Linien am Königsflügel zum direkten Angriff. Dabei sprang zwar scheinbar nur ein Mehrbauer heraus, aber seine Figuren waren sehr aktiv, während die weißen eher untätig herumstanden. Sein Gegner war dabei auch in Zeitnot geraten, aber beiden erreichten die Zeitkontrolle. Da war es also etwa 23:30 Uhr, das Schnellturnier im Hauptsaal war längst beendet, nur am Tresen war noch ein wenig Betrieb.

Dann ging aber alles sehr schnell. Mir liegen die Mitschriften nicht vor, vielleicht sind die Stellungen nicht ganz korrekt, aber im Prinzip endeten die Partien innerhalb einiger Minuten wie in den Diagrammen dargestellt.

Andreas hatte zwar keine verbundenen Bauern, aber sein a-Bauer war ein Freibauer. In der Partie drehte es sich also darum, ob er es bis zur ersten Reihe schaffen würde. Entscheidend war dann aber etwas anderes.

Frank hatte zwar einen Bauern gewonnen, aber dabei zugelassen, dass die gegnerischen Figuren seinen König ziemlich einengten. Und vielleicht war das Ende dann der Fluch der späten Stunde.

Und kurz danach endete auch die Partie an Brett 1 durch Matt. Hier die gesamte Partie:

So ging dieser lange und spannende Kampf mit 3:1 an den LSV. Andreas beklagte sich am Tresen noch bei Majestix, dass das Spielen in der Kreisklasse B ja genau so anstrengend sei wie in der 2. Bundesliga. Ich war um Mitternacht zuhause.

Views: 27

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert