Turmendspiele sind (fast) immer Remis

 

In der Trainingseinheit am 21.Januar wurden zunächst die Inhalte des letzten Trainings abgefragt, die Ergebnisse kann man sich hier anschauen: Quiz-Ergebnisse Das interaktive Quiz werden wir beim nächsten Mal wiederholen, insofern lohnt sich das eingehende Studium dieses Beitrags, wenn man am 4.Februar dabei sein möchte 🙂

Danach ging es um folgenden Stellungstyp: Am Königsflügel haben beide Seiten drei Bauern, aus didaktischen Gründen stehen diese jeweils auf f2-g3-h4 bzw. f7-g6-h5 und die Könige stehen auf g2 bzw. g7. Weiß hat einen Mehrbauern am Damenflügel, der schwarze Turm steht hinter dem Bauern, der weiße Turm davor. Solche Stellungen entstehen sehr oft, wenn beide Türme auf der siebten bzw. zweiten Reihe auftauchen und am Damenflügel einige Bauern schlagen. In den allermeisten Fällen verbleibt eine Seite dann mit einem Mehrbauern, und die einzige Frage ist, ob dieser zum Sieg ausreicht.

Bei der letzten Trainingseinheit haben wir uns Stellungen angeschaut, in denen Weiß den Freibauern bis zur siebten Reihe vorgezogen hat, so dass der weiße Turm nicht mehr ziehen kann. Außerdem hat der weiße König keine Möglichkeit, sich vor den Schachgeboten des schwarzen Turms zu verstecken. Der Gewinn ist nur dann möglich, wenn sich Weiß am Königsflügel einen freien f-Bauern verschaffen kann, was in den allermeisten Fällen nicht gelingt.

Dieses Mal lässt Weiß den Freibauern auf der sechsten Reihe stehen. Dadurch kann er sich mit seinem König vor dem Bauern verstecken, den Turm wegziehen und den Freibauern umwandeln bzw. den Schwarzen dazu zwingen, seinen Turm gegen den Bauern zu opfern. Wenn Schwarz vollständig passiv spielt, verliert er. Hier ein Beispiel:

Die Tatsache, dass der weiße Freibauer auf der sechsten Reihe steht, gibt dem Schwarzen allerdings zusätzliche Möglichkeiten. Er kann mit seinem Turm einen der weißen Bauern schlagen, wenn sich der weiße König auf den Weg zum Damenflügel begibt. Anschließend kann er seine Bauern am Königsflügel in Bewegung setzen, um selbst einen Freibauern zu bilden. Und am wichtigsten ist die Möglichkeit, den König zu aktivieren.

Noch einmal das Thema der heutigen Trainingseinheit: Am Königsflügel haben beide Seiten drei Bauern, jeweils auf f2-g3-h4 bzw. f7-g6-h5, die Könige stehen auf g2 bzw. g7, Weiß hat einen Mehrbauern am Damenflügel, der auf der sechsten Reihe steht, sein Turm steht vor dem Bauern, der schwarze Turm dahinter.

  • Der weiße Bauer steht entweder auf a6, b6 oder c6 (das sind drei Variationen).
  • Der weiße König kann entweder über f3 aktiv werden oder nur über den Umweg über f1 und e1 (das sind zwei Variationen).
  • Schwarz verteidigt sich entweder aktiv oder passiv (das sind zwei Variationen).

Insgesamt ergeben sich daraus 3 x 2 x 2 = 12 verschiedene Stellungen bzw. Partieverläufe.

Stellung 1

a-Bauer, weißer König wird eingesperrt, Schwarz verteidigt aktiv -> Remis (Ausprobieren auf Lichess)

Stellung 2

a-Bauer, weißer König kann aktiviert werden, Schwarz verteidigt aktiv -> Remis (Ausprobieren auf Lichess)

Stellung 3

b-Bauer, weißer König wird eingesperrt, Schwarz verteidigt aktiv -> Remis (Ausprobieren auf Lichess)

Stellung 4

b-Bauer, weißer König kann aktiviert werden, Schwarz verteidigt aktiv -> Remis (Ausprobieren auf Lichess)

Stellung 5

c-Bauer, weißer König wird eingesperrt, Schwarz verteidigt aktiv -> Remis (Ausprobieren auf Lichess)

Stellung 6

c-Bauer, weißer König kann aktiviert werden, Schwarz verteidigt aktiv -> Remis (Ausprobieren auf Lichess)

Stellung 7

a-Bauer, weißer König wird eingesperrt, Schwarz verteidigt passiv -> Weiß gewinnt (Ausprobieren auf Lichess)

Stellung 8

a-Bauer, weißer König kann aktiviert werden, Schwarz verteidigt passiv -> Weiß gewinnt (Ausprobieren auf Lichess)

Stellung 9

b-Bauer, weißer König wird eingesperrt, Schwarz verteidigt passiv -> Weiß gewinnt (Ausprobieren auf Lichess)

Stellung 10

b-Bauer, weißer König kann aktiviert werden, Schwarz verteidigt passiv -> Weiß gewinnt (Ausprobieren auf Lichess)

Stellung 11

c-Bauer, weißer König wird eingesperrt, Schwarz verteidigt passiv -> Weiß gewinnt (Ausprobieren auf Lichess)

Stellung 12

c-Bauer, weißer König kann aktiviert werden, Schwarz verteidigt passiv -> Weiß gewinnt (Ausprobieren auf Lichess)

Praktische Bedeutung

Beim Wettkampf der ersten Mannschaft am vergangenen Wochenende ergab sich ein Turmendspiel, das in unser Schema passt, auch wenn der schwarze Turm in diesem Fall nicht vor, sondern neben dem Bauern stand. Weiß hat sich passiv verteidigt und chancenlos verloren. Die für unser Thema relevante Stellung entsteht nach dem 29ten Zug von Schwarz.

Fazit

  1. Objektiv betrachtet sind alle zwölf Stellungen für Weiß nicht zu gewinnen, aber Schwarz muss wissen, was zu tun ist.
  2. Schwarz muss in diesen Endspielen so schnell wie möglich seinen König aktivieren, sonst verliert er.
  3. Die oft entstehenden drei schwarzen Freibauern am Königsflügel sind kein Problem, der weiße König ist erstaunlich schnell wieder am Ort des Geschehens.
  4. Der b-Bauer ist für Weiß besser als der a-Bauer, weil der weiße König einen Zug weniger braucht, um seinen Freibauern zu unterstützen.
  5. Der c-Bauer ist erstaunlicherweise die schwächste der drei Varianten, weil der schwarze König einen Bauern auf c6 schnell angreifen kann.

Partie-Analyse: Bogoljubow – Aljechin

Nach diesem sehr technischen Teil haben wir eine Partie analysiert, die nach meiner unmaßgeblichen Meinung vollkommen unterbewertet und viel zu wenig bekannt ist. Die Art und Weise, wie Aljechin seinen Gegner erst am Königsflügel und dann am Damenflügel überspielt, zweimal seine Dame mit dem Motiv eines unaufhaltsamen Freibauern opfert und am Ende aufgrund eines einzigen Mehrbauern gewinnt, hat mich schon immer fasziniert.

Matt-Aufgaben

Im dritten Teil der Trainingseinheit gab es dann noch sechs Stellungen aus der Rubrik „Matt in x Zügen.

Das Anklicken des Diagramms öffnet die jeweilige Stellung im Analyse-Modus auf Lichess.

Aufgabe 1

Schwarz am Zug setzt in 3 Zügen Matt

Aufgabe 2

Weiß am Zug setzt in 5 Zügen Matt

Aufgabe 3

Schwarz am Zug setzt in 4 Zügen Matt

Aufgabe 4

Schwarz am Zug setzt in 4 Zügen Matt

Aufgabe 5

Weiß am Zug setzt in 3 Zügen Matt

Aufgabe 6

Weiß am Zug gewinnt

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