Am 19.April gegen 15 Uhr war es vollbracht: Nach 20 Wettkämpfen in zwei Spielzeiten, von denen nur einer verloren wurde und einer 4-4 ausging, während alle anderen 18 gewonnen wurden, stand der Aufstieg unserer ersten Mannschaft in die zweite Bundesliga Nord fest! Damit ist auch der Weg frei für die zweite Mannschaft in die Oberliga Nord, wenn die beiden letzten Mannschaftskämpfe erfolgreich bestritten werden. Insgesamt also ein wichtiger Tag für unseren Verein, der möglicherweise die nächsten Jahre prägen wird, falls wir es schaffen, uns in der zweiten Liga und in der Oberliga zu behaupten. Die Einzelergebnisse des Stichkampfes in Delmenhorst haben wir schon auf der Webseite veröffentlicht, man kann man sie auch hier nachlesen:
Aber zurück zum Anfang dieses zwanzigsten und letzten Kapitels unserer Aufstiegsgeschichte, also zur Anreise nach Delmenhorst am Samstag. Aus Lübeck starteten zwei Autos, eines mit den beiden Vorsitzenden und eines mit den Nachwuchstalenten Bruno und Justus mit unserem Top-Scorer Steffen am Steuer, das Körpergewicht war also einigermaßen gleichmäßig auf beide Wagen verteilt. Das dritte Auto setzte sich in Kiel in Bewegung mit den beiden anderen Nachwuchstalenten Levi und Tom auf der Rückbank und Lars Malinowsky hinter dem Lenkrad. Auto Nummer 4 fuhr in Hamburg los, am Steuer unser Spitzenbrett Julijan und an Bord unsere beiden schwedischen Großmeister Jonny und Stellan. Aus Trier kam Edelfan Michael Negele mit dem Zug, er hatte mit zehn Stunden die mit Abstand längste Anreise. Während der etwa zweistündigen Autofahrt mussten wir mit anhören, wie der HSV in Bremen verpfiffen wurde – also ich musste, Thilo durfte 🙂
Um 19 Uhr begaben wir uns alle in das im Hotel befindliche Restaurant mit einer ansprechenden Speisekarte und einem schon um diese Uhrzeit gut besetzten Tresen. Nach dem Essen war noch ausreichend Zeit für Erörterungen der schachlichen Zukunft unserer ersten Mannschaft, die natürlich alle unter Vorbehalt standen, nämlich unter dem Vorbehalt des am Folgetag noch zu spielenden Wettkampfes gegen Delmenhorst. Das Spiellokal und das Hotel befanden sich übrigens an der Bremer Straße, die laut Sven Regener auch „Straße der Verdammten“ heißt. Das konnten wir weder am Samstagabend im Hotel noch am Sonntag im Spiellokal bestätigen, sowohl das Essen als auch die Spielbedingungen waren sehr gut, von den kostenlosen Getränken und belegten Brötchen und Brezeln ganz zu schweigen – vielen Dank dafür an die Delmenhorster Gastgeber!
Am nächsten Vormittag um 10 Uhr ging es dann los. Aufgrund des Fehlens zweier Spieler aus der Delmenhorster Stamm-Acht ging bei uns an einigen Brettern die Vorbereitung ins Leere, aber das galt vermutlich auch für das siebte und achte Brett von Delmenhorst, da Sergej Kalinitschew dieses Mal nicht dabei war. Erstaunlicherweise war die Zahl der Lübecker Fans deutlich höher als die der Delmenhorster Anhänger: Neben den beiden bereits erwähnten Vorsitzenden und Michael Negele waren auch Eryk Janiak und Stefan Lindemann dabei und drückten den Lübeckern die Daumen.
Hier stichwortartig der Verlauf des Spielstandes aus Lübecker Sicht in zeitlicher Abfolge:
1 – 0 (Jonny)
1,5 – 0,5 (Levi)
1,5 – 1,5 (Julijan)
2,5 – 1,5 (Stellan)
3,5 – 1,5 (Bruno)
4 – 2 (Tom)
4,5 – 2,5 (Justus)
4,5 – 3,5 (Steffen)
Insgesamt war den Spielern anzumerken, worum es ging, zumindest ist die Körpersprache bei „normalen“ Wettkämpfen deutlich entspannter. Wenn Stellan nur remis gespielt hätte, hätte es tatsächlich ein 4-4 bei gleicher Berliner Wertung und damit einen Blitzentscheid gegeben, auch das trug natürlich zur Anspannung bei. Nach meinem Eindruck gingen alle Ergebnisse mehr oder weniger in Ordnung, bei Justus wäre vielleicht mehr drin gewesen. Sehr gut gefallen hat mir das sehr systematische und ruhige Vorgehen von Bruno, der alle Figuren und Bauern auf die richtigen Felder stellte, bevor er die Stellung am Damenflügel öffnete. Schön anzusehen war aber auch die technisch saubere Gewinnführung von Stellan, nachdem er seine leicht schlechtere Stellung in eine bessere verwandelt hatte. Aber die Partie des Tages spielte Jonny, der seinen Gegner nach einem Qualitätsopfer in 22 Zügen mattsetzte.
Die Rückfahrt verlief dann sehr entspannt, die beiden Vorsitzenden redeten über Gott und die Welt, während die beiden Schweden auf der Rückbank vermutlich dasselbe taten: De två svenskarna pratade om allt mellan himmel och jord. Noch einmal vielen Dank an die Schlachtenbummler und die Fahrer und natürlich vor allem an die Spieler – eine Bilanz von 37-3 nach zwanzig Mannschaftskämpfen ist kaum zu toppen.
Nach der Saison ist bekanntlich vor der Saison, und das gilt insbesondere nach einem Aufstieg: Zweite Liga – Lübeck ist dabei!
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