Jan-Henrik Plackmeyer berichtet vom Mannschaftskampf LSV X – SV Bad Schwartau IV, 6. März:
Liebe Schachfreunde, ich bin in Eile, deswegen schreibe ich lang. Und ich fange mit dem Kampf gegen Strand an, nicht mit Bad Schwartau. Gegen Strand zog Andreas Richter als Schwarzer im ersten Zug f5 und Martin Herrnkind kommentierte das mit dem Satz: „Ich wusste gar nicht, dass du so böse sein kannst“. So steht es im Bericht von Andreas Richter zum Kampf gegen Strand, so ist es auf dieser Homepage nachzulesen. Bilder gibt es auch.
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass sich so eine Schachsaison wie eine Schachpartie aufbaut. Immer einen Zug nach dem nächsten Zug, immer wieder analysieren, immer wieder etwas lernen und immer wieder darauf reagieren. Das muss so ein Grund dafür gewesen sein, dass sich Martin

heute, am 6. März abends im Vereinsheim des Lübecker Schachvereins von 1873 – ich schreibe diese Zeilen allerdings am 7. März, also ist mit heute schon gestern gemeint -, in seiner Partie gegen Michael Bielfeldt für den ersten Zug als Schwarzer zu f5 entschlossen hat.
Nun bin ich in einer Sache nicht ganz so sicher, aber Andreas Richter wird mir vielleicht recht geben: Wenn du böse bist, musst du das auch mal rauslassen. Einfach mal freien Lauf geben, der Sache. Sonst macht Bösartigkeit ja auch keinen Spaß und hat auch kein befreiendes Element. Blöd ist schlicht nur: Martin einfach kein böser Mensch. Das ist ihm sicher auch klar geworden, als er im neunten Zug eine Stunde nachdachte. Gewissenhaft hat er anschließend in allen Winkeln auch die kleinsten Brocken Niedertracht zusammengeklaubt und als er so eine volle Faust über den Tisch schwingen wollte, stolperte er leider zu allem Ungemach über die Zeit und heraus kam nur noch eine blanke Hand als Aufgabe. Aber ich fand, es war eine beiderseits sehr interessant geführter Partie. Und das war übrigens die letzte Partie des Abends, auch wenn es das erste Brett gewesen ist.
Das vierte Brett war dagegen als erstes wieder unbesetzt. Idriz Blaka (LSV)

und Günther Schwarz (Bad Schwartau) lieferten sich ein schnelles, aber auch nicht bösartiges Gefecht. Es ging anfangs ganz vorsichtig voran, gerade Idriz wählte seine Züge mit Bedacht. Ich bin nicht sicher, ob er trotz aller Vorsicht einen Bauern gewonnen hat oder ob Herr Schwarz einen Bauern geopfert hat. Das wäre so eine böse Sache gewesen, von der man sich einen Vorteil verspricht. Der Vorteil lag aber eher in der Zurückhaltung. Die weißen Figuren standen eher alle noch auf der Grundreihe, nur die d-, e- und f-Bauern standen fest im Zentrum und gabelten auch noch zwei Figuren auf. Allerdings drohte Schwarz mit Dd5 und Lb7 ein fieses Matt auf g2. Idriz blockte den Versuch mit dem Zug Dame auf b3 – wegen der offenen weißfeldrigen Diagonale in die schwarze Rochadestellung hinein wirkte der Damentausch fast schon wie ein zärtliches Remisangebot – wenn da nicht noch die gegabelten schwarzen Leichtfiguren gewesen wären.
Kurz darauf folgte der Friedensschluss am dritten Brett. Gott, was bin ich dankbar, endlich einmal in Sonnenschein, Vögelgezwitscher, gleichmäßiges Wellenrauschen und dem sanften Gemurmel über Teilen und Wohlfühlen eintauschen zu können. Awik Galstian

spielte – glaube ich – das erste Mal für unsere Mannschaft. Er war gegen Karsten Schwerdt zwar bald einen Bauern vorne, die Stellung sah aber noch sehr langwierig aus zu spielen. Remis ist schon in Ordnung, so der gehässige Kommentar.
Da ich nun etwas über diesen Kampf schreibe, bin ich wohl dabei gewesen.

Bösartige Menschen werden sagen: Nein, bist du nicht gewesen! – und ich werde ihnen nicht widersprechen. Jedenfalls habe ich in meiner Partie bestimmt alles vermissen lassen, über das ich hier die ganze Zeit geschrieben habe. Deswegen zeigte ich jetzt lieber mit dem Finger auf Jens Hollatz: Der wars. Bösartig hat er die Partie noch verloren, um mir ein schlechtes Gewissen zu verpassen. Wie soll ich nun über mein Spiel sprechen? Warum stellst du mir so eine Frage!? Ich habe gewonnen!? Ich habe einen Punkt geholt!? Auf dem Spielberichtsbogen stehen eine 1 und eine 0 und dabei belassen wir es einfach mal.
Wenn ich einmal mehr Zeit habe, schreibe ich, dass Martin Herrnkind, Jan-Henrik Plackmeyer, Awik Galstian und Idriz Blaka als LSV X in der Kreisklasse B Ost den Schachkampf gegen Bad Schwartau IV mit den Spielern Michael Bielfeldt, Jens Hollatz, Karsten Schwerdt und Günther Schwarz mit 2,5:1,5 gewonnen haben und dass wir einen Spieltag vor Saisonende mit zwei Punkten und einem Brettpunkt vor SG TSV Kücknitz/TSV Travemünde führen und dass wir gegen diese Mannschaft am 13. März zum Meisterschaftsspiel antreten. Aber nur, wenn ich Zeit habe.
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