Aufbauarbeit in Neumünster
Den Kampf musste ich (MF) erst einmal sacken lassen.
Da war eigentlich mehr drin und langsam müssen wir uns Punkte sichern.
Als Team haben wir in Neumünster wahrhaft „Aufbauarbeit“ geleistet, denn als wir um 9Uhr35 (!) in der schönen Ausweich-Spielstätte ankamen, war nur ein Vertreter des Gastgebers vor Ort. Somit halfen wir, die Bretter und Uhren aufzubauen, die Stühle beizustellen etc..
Agon I trat gegen uns in Bestbesetzung an und war damit zumindest leichter Favorit (DWZ-Schnitt 2003, unserer wie gehabt 1917). Besonders drastische Wertungsdifferenzen von fast 200 Punkten gab es an Brett 6 und 8.
Erst gg. 9Uhr50 trudelten weitere Neumünsteraner ein, da war alles parat. Außer Getränken, denn diese gab es hier nicht, eine „unangenehme Zweiterfahrung“ für mich (MN). Hier im Norden ist die Bereitstellung anscheinend nicht Pflicht (wie in NRW) und ich falle mal wieder drauf rein. Somit musste ich mich mit „Kranenberger“ begnügen.
Wir starteten pünktlich um 10Uhr, noch immer waren zwei Bretter der Gastgeber unbesetzt.
Es fehlten mein Gegner an Brett 2 (Jörg Maaß) und die WIM Liba Kopylov an Brett 6.
Vom Kampfverlauf lief es für uns gut an, als erstes sicherten Oliver (Ein c3-Sizilianer mit 2.-d5 gg. Wolfgang Grohde an Brett 5 ) und Matthias (Ein durchaus ambitioniertes Englisch mit dem c4-d3-e4-Zentrum gg. Jörg Harm an Brett 7) ein Remis. Vielleicht mit Weiß ein Quentchen zu wenig, aber beide hatten sehr erfahrene Gegner und somit ging das irgendwie in Ordnung.
Heiko sah sich hingegen einem starken Angriff im Königsinder (Sämisch-Aufbau) ausgesetzt und musste, nachdem er mit Tfe8 einen Sicherungszug ausließ, relativ früh die Niederlage gegen die WIM quittieren.
Die restlichen 5 Partien gaben aber Anlass zur Zuversicht.
Joachim erspielte an Brett 3 gegen Minh Dat Tran mutig eine sehr gute Angriffsstellung in einem „Wolga-Gambit ohne c4“ und gewann mit einem sehenswerten „Läufer-Desperado“ Material. Die Partie folgt unten.
Horst behauptete im Duell der „Nestoren“ an Brett 4 gg. Alexander Haffner in einem katalanischen Damengambit durch feine positionelle Manövern den Mehrbauer auf c4.
Am Brett 8 gelang es Martin in einem Damenbauernspiel gg. Thomas Zornow dessen weißfeldrigen Läufer und ein Springerpaar abzutauschen, die Stellung war danach völlig verrammelt. Somit kaum Gewinn-, aber vor allem keine Verlustchancen.
Hartmut hatte an Brett 1 aus etwas wackliger Eröffnung (Gegen seinen Réti-Aufbau hatte Andreas Hein sich klassich mit d5, c5, e6 aufgebaut, dann mit c5-c4 die Spannung aus dem Zentrum genommen.) ein leicht bequemeres Mittelspiel erreicht. Also auch hier kein Grund zur Sorge.
Meine Partie (MN) verlief kurios: In Wijk aan Zee hatte ich mir ein dickes Buch von Nicolas Yap zugelegt, sozusagen 1.-e6 in allen Lagen. Den Französisch-Teil habe ich schon studiert, leider mit wenig Erkenntnissen für mein Repertoire. Zu Holländisch war ich noch nicht vorgedrungen. Doch beim sonntäglichen Frühstück sah ich mir kurz eine Variante an, in der Schwarz c6 möglichst weit aufschiebt und stattdessen den“Temposchlucker“ h6 spielt. Genau dieses Abspiel kam aufs Brett und Jörg Maaß geriet ab Zug 12 arg ins Grübeln. Dann habe ich die Zugfolge vertauscht (Man sollte halt vor Mannschaftskämpfen ausgiebig frühstücken und alles lesen.) und geriet – ohne es zu merken – in eine nachteilige Stellung. Doch spielte ich „wie in früheren Zeiten“ und gab einen Bauern am Damenflügel für unklare Angriffschancen gegen den König. Weiß geriet allmählich in „Panikmodus“, Stockfish zeigt schnell auf, dass mein Angriff Strohfeuer war. Um Zug 30 hatte ich jedoch gefährliche Drohungen aufgebaut und das finale Motiv sogar erkannt. Und es kam genauso, in rasender Zeitnot war der Excelsior-Marsch meines d-Bauern bis d2 (scheinbar) unparierbar. Und das mit einem Bauern auf e2. Die Partie folgt ebenfalls weiter unten.
Unsere Freude über diesen „Glanzsieg“ währte nur kurz, da Horst in besserer Stellung einem „billigen Trick“ zum Opfer fiel: 3-3
Nach der Zeitkontrolle waren Joachim und ich im „Analyseraum“ aber optimistisch: Brett 1 schien mit Zeitvorsprung auf der Uhr etwas besser zu stehen und Brett 8 sollte trotz Minusbauer mit zwei Türmen und einem starken Springer gegen Doppelturm und schlechten Läufer ein Remis behaupten. Bald überbrachte Martin, der das resultierende Doppelturm-Endspiel „locker“ unentschieden hielt, eine Hiobsbotschaft: Hartmut hatte sich eine Qualität „wegkombinieren“ lassen und verlor trotz Gegenwehr das Endspiel ohne echte Chance.

Noch strahlen wir, doch am Ende blieben beide Punkte in Neumünster.
Im Grunde aber ein sehr guter Mannschaftskampf. Leider mußten wir eine bittere 3,5-4,5-Niederlage quittieren, haben sozusagen weitere Aufbauarbeit geleistet. Eigentlich kann es so weitergehen, was unser gutes Spiel betrifft. Klingt zwar doof, stimmt aber irgendwie auch.
Also sollte im Heimspiel gegen Eutin am 01.03.26 zumindest mal wieder unser Lieblingsergebnis rausspringen.
Bericht von Matthias, ergänzt von Michael.
Hier nun die Partien von Brett 2 und 3, letztere nur „leicht“ kommentiert.
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