Seit der Reform der zweiten Bundesligen vor zwei Jahren gibt es die unglückliche Situation, dass die Sieger der beiden Staffeln der Oberliga Nord nicht mehr direkt aufsteigen, sondern einen Stichkampf gegeneinander spielen müssen. In der noch laufenden Saison stehen die beiden Staffelsieger schon vor dem letzten Spieltag fest. In der Staffel Nord ist dies die erste Mannschaft des Lübecker Schachvereins, in der Staffel West die zweite Mannschaft des SK Kirchweyhe, dessen erste Mannschaft in der Bundesliga spielt.
Hier die entsprechenden Zwischenstände der drei Ligen:
Wie man unschwer erkennen kann, war Kirchweyhe in der Staffel West noch erfolgreicher als wir in der Staffel Nord, sie haben auch alle acht Kämpfe gewonnen, dabei aber mehr Brettpunkte erzielt als wir. Es ist wirklich bedauerlich, dass nur eine dieser beiden Mannschaften aufsteigen kann, aber so sind die aktuellen Regeln. Was die Angelegenheit verkompliziert, ist die Tatsache, dass die erste Mannschaft von Kirchweyhe noch aus der Bundesliga absteigen könnte, in dem Fall könnte die zweite Mannschaft von Kirchweyhe nicht aufsteigen. Besonders wahrscheinlich ist das zwar nicht, aber man darf schon die Frage stellen, warum der Stichkampf am selben Tag ausgetragen wird wie die letzte Runde der Bundesliga, nämlich am 27.April. Für den Fall des Abstiegs von Kirchweyhe I in die zweite Bundesliga würden wir vollkommen unabhängig vom Ausgang des Stichkampfes in die zweite Bundesliga aufsteigen und eventuelle Nachrücker aus der Oberliga Nord, Staffel West, kämen nicht zum Zuge. Vielleicht ist die Abstiegsfrage in der Bundesliga auch schon geklärt, bevor der Stichkampf beginnt, aber besonders glücklich ist diese Konstellation nicht, um das vorsichtig zu formulieren.
Der Stichkampf selbst wird auch nach speziellen Regeln gespielt, weil in jedem Fall ein Sieger ermittelt werden muss. Bei einem 4-4 entscheidet deshalb die sogenannte Berliner Wertung, die man aus dem Viererpokal kennt. Ein Sieg an Brett 1 wird dabei mit 8 Punkten bewertet, ein Sieg an Brett 2 mit 7 Punkten usw. und ein Sieg am achten Brett mit 1 Punkt, bei einem Remis bekommen beide Mannschaften jeweils die Hälfte der Punkte gutgeschrieben oder anders gesagt, Remisen sind für die Berliner Wertung irrelevant. Im Viererpokal wird deshalb nicht mit alternierenden Farben gespielt, sondern mit denselben Farben an den Brettern 1 und 4 bzw. an den Brettern 2 und 3, damit im Falle von lauter Weiß-Siegen Gleichstand herrscht. Für den Stichkampf gilt dies aus mir nicht bekannten Gründen nicht, hier wird wie üblich verfahren, d.h. die Gastmannschaft hat Weiß an den ungeraden und Schwarz an den geraden Brettern. Falls es zu einem 4-4 und einem Gleichstand nach Berliner Wertung kommt, wird geblitzt und zwar mit vertauschten Farben. Hier gilt wieder die Berliner Wertung als Zweitwertung, was den Weiß-Vorteil am ersten Brett aus dem ersten Wettkampf quasi ausgleicht. im Falle eines erneuten Gleichstandes wird noch einmal mit vertauschten Farben geblitzt, also wieder mit Weiß an den ungeraden Brettern für die Gastmannschaft. Auch diese ganze Regelung erscheint verbesserungswürdig.
Falls nach den beiden Blitzwettkämpfen keine Entscheidung gefallen ist, wird schließlich gelost. Wir hoffen allerdings, dass es nicht so weit kommt und dass die Entscheidung auf den 64 Feldern herbeigeführt wird.
Der Stichkampf wird am 27.April im Hotel Tryp By Windham (Dr.-Luise-Klinsmann-Straße 1-3, 23558 Lübeck) ausgetragen, also dort, wo wir sonst unsere Heimkämpfe durchführen, wenn unser Vereinsheim nicht ausreichend Platz bietet. Beginn ist um 11 Uhr, Karten gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen.