Drucken
Zugriffe: 483

Zu Gast bei Freunden?

Am 9. Dezember stand die 5. Runde der 2. Frauenbundesliga West an. Alle Teams trafen sich mit ihrem jeweiligen Reispartner zur einzigen Einzelrunde der Saison. Statt mit der Bahn in der Weltgeschichte rumzugurken, durften wir also mit dem Auto ins nahe Kiel.

Der Lübecker Teil unserer Mannschaft erreichte das Spiellokal gleichzeitig mit den Gastgebern – so konnten wir uns schonmal ein bisschen nützlich machen, also beim Aufbauen und Kaffeekochen helfen. Einen kleinen Beitrag fürs Kuchen-Buffet hatten wir auch dabei. Familie Bräutigam kam ebenfalls frühzeitig und auch als die letzte Kielerin eingetrudelt setzten wir uns gleich an die Bretter, worauf dann auch unser Schiri keinen Grund mehr fand, den Anpfiff noch bis 10 Uhr hinauszuzögern.

Wir spielten wie zuletzt mit Irina, Alva und Alexandra an den ersten drei Brettern. Dahinter folgten die Berichterstatterin sowie Katerina und Anna. Da Kiel uns in Bestbesetzung schwer überlegen ist, hatte ich meiner Mannschaft erlaubt, so viel Remis zu machen, wie sie tragen kann – allerdings trat Kiel dann gar nicht in Bestbesetzung an. Einzig Alexandra musste mehr als 100 DWZ-Punkte zu ihrer Gegnerin aufschauen. Ging da also was? Als ich das erste Mal vor die Tür ging, vernahm ich wie sich zwei Kieler sich darüber unterhielten, dass Brett 5 in Flammen stünde, obwohl es doch noch gar nicht richtig losgegangen sei. Als ich im Vorbeigehen versuchte, herauszufinden, zu wessen Vorteil das Feuer wohl sein würde, vermochte es zunächst nicht auszumachen. Beim nächsten Anlauf sah ich klarer, Katerinas Gegnerin hatte sich in der Eröffnung wohl gewaltig verschätzt. Unsere Jüngste wickelte besonnen ab, kam mit einem kräftigen Materialvorteil und schließlich mit ihrem ersten vollen Punkt aus der Sache heraus. Gut gemacht!

Vergleichsweise besinnlich ging es an diesem 2. Advent an meinem Brett zu. Mein Gegenüber wählte einen friedfertigen Aufbau und ich kam erstmalig in dieser Saison ohne dramatischen Zeitnachteil durch die Eröffnung. Zwar hatte ich auch keinen richtigen Plan, allerdings erinnerte ich mich an das Vorgehen von Alva in Mülheim und schob einfach mal ein bisschen herum. Einen großzügigen Abtausch um Zentrum nahm ich zum Anlass, Remis anzubieten. Vielleicht hätte ich stattdessen noch etwas Druck auf den gegnerischen König ausüben können oder müssen, vielleicht wäre es auch sinnlos gewesen. Nach den letzten Pleiten erschien mir das Remis in der Hand allemal mannschaftsdienlicher als ein Punkt auf dem Dach (oder so ähnlich). Nebenbei standen meine Kolleginnen zum Teil recht munter, so dass ich mit der Gesamtsituation beim Stand von 1,5-0,5 für uns recht zufrieden war. Hatte ich die Stellungen der anderen falsch eingeschätzt? Hatten die Kolleginnen nicht genügend Umsicht walten lassen? Jedenfalls wendete sich das Blatt. Bei Irina galoppierten plötzlich zwei Springer in die Stellung und drohten in Verbund mit der Dame auf der h-Linie ein unangenehmes wie unabwendbares Zwischenmatt. Ausgleich.

Wenig später eskalierte die Situation bei Alexandra. Das Brett war vergleichsweise aufgeräumt, Alexandra griff am Königsflügel an, ohne jedoch große Gefahr zu verbreiten. Die Gegnerin zog ihr Material am anderen Flügel zusammen, wobei nicht schwer zu sehen war, dass die Dame ein Auge auf den König geworfen hatte. Das wird auch Alexandra nicht entgangen sein, doch die Zeit war knapp, ein Gaul kam aus dem Hinterhalt, täuschte an, auf c2 zu gabeln, sprang dann weiter gen f2, wo er größtmöglichen Schaden anrichtete 2,5-1,5 für Kiel. Aber hatte es nicht bei Anna eigentlich noch ganz nett ausgesehen? Nun, sie versuchte ihr Glück mit dem Bauernvorschieben am Damenflügel, was auf den ersten Blick ganz schick aussah. Leider übersah bzw. unterschätzte sie die Durchschlagskraft des kleinen Gegenangriffs, dem sich ihr König dann plötzlich ausgesetzt sah. Ein Entlastungsdauerschach übersah sie leider. 3,5 für Kiel.

Die Zug-Hand nicht mehr bandagiert aber auch noch nicht wieder ganz austrainiert, hielt sich Alva an Brett 2 mal wieder am längsten, fand jedoch keinen wirksamen Plan und musste am Ende ebenfalls die Waffen strecken. Von ihrer eigentlichen Qual erfuhren wir im Anschluss. Stunde um Stunde hatte sie tatenlos dabei zusehen müssen, wie wir langsam das Buffet leergefuttert haben, wie vor allem diese leckeren Mini-Frikadellen immer weniger wurden – und keine Zeit, um aufzustehen… Das kann schonmal an der Konzentration nagen. Außerdem ist es ungerecht und gemein. Mit der nächsten derben Klatsche im Gepäck verabschiedeten wir uns also von den trotz allem natürlich sehr netten und gastfreundlichen Doppelbäuerinnen und machten uns auf den kurzen Heimweg, der jedoch keineswegs angenehm war. Unterwegs nämlich mussten wir erfahren, dass die anderen Mannschaften im Tabellenkeller einen deutlich besseren Tag erwischt hatten. Während Mülheim gegen Wattenscheid gewann, holte Delmenhorst ein 3:3 gegen Hamburg, sodass wir leider als Tabellenvorletzter ins neue Jahr gehen. Eine Restchance auf den Klassenerhalt besteht aber noch und die wollen wir natürlich nutzen:

Die nächste Doppelrunde, die gleichzeitig das Saisonfinale bedeutet, wird ein Heimspiel. Also fast. Am 12./13. Januar laden wir in die Waldschule nach Groß Grönau.

Zu Gast sind (neben den Kielerinnen) der derzeitige Tabellenletzte Delmenhorst und die 2.Mannschaft vom HSK.