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Unser Gegner tritt traditionell in der Formation 2 + 6 an. Will heißen, an den beiden ersten Brettern Erwachsene gefolgt von Kindern und Jugendlichen, die sich irgendwann für höhere Aufgaben empfehlen. Zunächst tat sich nicht viel. Dann, Punkt 11.00 Uhr, durfte sich der Berichterstatter über den Punkt freuen. Es hieß 0:1 oder genauer -/+. Warum das Brett unbesetzt blieb bedarf noch der Klärung.

Dank dieser frühen Führung hatte ich Gelegenheit, den Verlauf der Dinge näher zu betrachten. Und was ich da so sah, ließ zunächst nichts Gutes für mein LSV VIII-Team erwarten.

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An Brett 3 hatte Dima Dykukha mit Schwarz offenbar Niels M. Paulsen bereits in der Eröffnungsphase „erwischt“. Ein praktisch unvertreibbarer schwarzer Springer hatte sich auf d3 eingenistet und es drohte allerhand. Kurz darauf war eine weiße Figur weg und der Punkt da – 1:1.

An Brett 4 schien Elke Böttcher gegen den „Alapin“ von Justus Sommer kein Rezept zu finden. Nur mühselig konnte sie den Laden irgendwie zusammenhalten.

Ähnlich das Geschehen an Brett 8. zwischen Robert Matinyan und Andrei Rumyantzew. Mittels f7-Opfer hatte Robert den schwarzen König Richtung Brettmitte gebeten und für die geopferte Figur 4 Bauern eingeheimst. Das sollten zwei weitere Punkte für den Gastgeber sein, schätzte ich ein. Doch es kam anders. Auf einmal zählte ich bei Elke eine Mehrfigur – ohne erkennbare Kompensation. Das ließ sie sich auch nicht mehr nehmen, umschiffte noch eine fiese Patt-Falle und holte den Punkt. Auf meine spätere Nachfrage erläuterte sie die plötzliche Wende: „Es war eine Springergabel. Jedenfalls so ungefähr. War ein bisschen kompliziert, Ede“. Nun gut, lassen wir es dabei bewenden.

Dann, nicht viel später. Unglaublich, Andrei gewann. Irgendwie riss bei Robert der Faden. Die 4 Bauern wurden eliminiert und die Mehrfigur setzte sich durch. Mit 3:1 waren wir plötzlich, reichlich unerwartet, vorne. Alsdann zwei weitere Punkte. Einen für hüben, den anderen für drüben. Hauke Paulsen musste sich dem druckvollen Spiel von Luca Tom Rasmussen beugen (Punkt für drüben) und eine Springergabel von Albert Gruber gegen Jakob Weinell beendete diese Partie (Punkt für hüben).

Nunmehr fehlte LSV VIII nur noch ein halber Punkt und der ließ erstmal lange, sehr lange, unfassbar lange auf sich warten.

So schaute ich, was sich sonst im Spielsaal tat. LSV V hatte wenig Mühe, LSV VI (mit 6! Spielern) klar 7:1 auf Distanz zu halten. Immerhin, Philipp Stülcken holte den Ehrenpunkt.

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Keinen Ehrenpunkt gab es für LSV XI. Ein glattes 4:0 für die „Zehnte“.

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Dann aber doch die Erlösung. Zwischen Günter Mügge und Paco Valverde (Brett 2) gab es ein Dauerschach zum Stand von 2,5:4,5.

Zu guter Letzt war noch zwischen Michael Weiss (Schwarz) und Mohammed Alkasir (Weiß) die letzte Partie im Gange. Im Najdorf (englischer Angriff) sah es zunächst danach aus, dass die Partie a la Attacke endet. Doch irgendwann mündete die Sache in einem hochkomplizierten Endspiel mit viel Rechenbedarf, wobei Weiß seine Hoffnung auf seinen freien a-Bauern setzte und vor allem den ebenfalls freien Bauern auf g6. Schwarz indes pochte auf 2 verbundene freie Zentrumsbauern. Es war wohl ein Tempo, das Michael fehlte und so markierte Mohammed den Endstand von 5,5:2,5 zu Gunsten von LSV VIII.

Alles in allem ein wenig glücklich, zugegeben. Der Künstler Marcel Duchamp (1887-1968) formulierte es mal so: „Wenn auch nicht alle Künstler Schachspieler sind, so sind doch alle Schachspieler Künstler.“. Und unter diesem Aspekt dürften alle zufrieden sein.