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Fangen wir doch erstmal ganz vorne an.

Die Hinreise

Wie schon erwähnt, zwei Stunden Verspätung, alle müde, aber Stimmung gut. Das Team hatte während der Fahrt gespielt und gelacht. Hanno hat es geschafft schon beim ersten Zwischenstop in Uelzen seinen Koffer mit dem Zahlenschloß zu sperren, so dass garantiert kein anderer Mitreisender ihm etwas mopsen konnte, nur leider hatte er die Kombination vergessen und so wandelte sich die Wartestunde unter Mithilfe aller zu Onkel Hannos Knobelstunde. Es wurden zweimal alle möglichen Kombinationen durchlaufen – ohne Erfolg.

Nach 45 Minuten haben wir dann herausgefunden, dass man den Koffer hochkant stellen muss und dann öffnete sich von Zauberhand der Koffer mit der einfachsten aller Kombinationen.

Das Turnier

Wir waren mit einer sehr jungen Mannschaft am Start. Die beiden U12er Frieder Poetsch-Heffter und Thore Rosin wurden von dem U10er Justus Sommer und dem U8er Hanno Hellenbroich unterstützt. Auf Basis der Teilnehmerliste (wir waren an 11 gesetzt) bestand das Hauptziel darin, Erfahrungen zu sammeln, Spaß zu haben und Schach zu lernen. Die Hoffnung auf einen Qualifikationsplatz war relativ gering. Da aber die Erfolgserwartung auf diesem junge Team nicht zentnerschwer lastete, konnten unsere Jungs entspannt aufspielen und einfach mal schauen, was geht und was man unter Ausnutzung der Bedenkzeit doch alles erreichen kann.

Runde 1

Gegner: SF Nord-Ost Berlin

Da ging erstmal nicht viel. Die Jungs mussten an die Platz 4 gesetzten ran. Thore erkämpfte sich mittels eines ungleichfarbigen Läuferpaares ein Remis, der Rest musste über kurz oder lang die Segel streichen.

Justus Sommer (1615) - Gutewort, Paul Emil (1725) 0-1
Frieder Poetsch-Heffter (1137) - felix Reichmann (1727) 0-1
Thore Rosin (1171) - Artem Auduka (1600) ½-½
Hanno Hellenbroich (1215) - felix Beck (1412) 0-1

Tabellenplatz nach dieser Runde: 13

Runde 2

Gegner: SF Schwerin

Justus Sommer

Feige, Adelina (1615) - Justus Sommer (1615) 0-1
Maeno, Yosuke (1137) - Frieder Poetsch-Heffter (1137) 1-0
Jonas, Tim (1171) - Thore Rosin (1171) 0-1
Wiechhusen, Laurin-Elias (1215) - Hanno Hellenbroich (1215) 0-1

 

Glücklicherweise ließen sich Truppe davon nicht unterkriegen und nach einem hervorragenden nicht näher zu identifizierenden Gulasch ging es zum 2. Spiel. Justus, Thore und Hanno punkteten. Der erste Mannschaftssieg! Glückliche Gesichter – Frieder gekämpft, wurde dann aber doch überrannt.

Tabellenplatz nach dieser Runde: 8

Runde 3

Gegner: 1. SC Anhalt

Justus Sommer (1615) - Schröter,Christoph (1374) 1-0
Frieder Poetsch-Heffter (1137) - Böhm,Florian (1389) 1-0
Thore Rosin (1171) - Schwerdtfeger,Flor (1225) ½-½
Hanno Hellenbroich (1215) - Lautenschläger,Fri (1270) ½-½

TT hatte eine neue Devise ausgegeben. Egal was kommt, ihr überlegt 2 Minuten pro Zug. Hanno hat dieses sehr wörtlich genommen. Er spielte mit weiß und lehnte sich nach dem Starten der Uhr zurück, verschränkte die Arme, um dann bei 1 Minute 59 mit dem Überraschungszug ..... E4!.... zu starten. Sein Gegner war ziemlich irritiert und so konnte Hanno am Ende Remis auf sein Konto schreiben.

Auch die anderen Spieler spielten deutlich langsamer und so konnten wir ein 3:1 auf unserem Konto verbuchen. Frieder holte in einem guten Spiel seinen ersten Punkt – ein schöner Start in den 2. Turniertag.

Tabellenplatz nach dieser Runde: 8

Runde 4

Gegner: Delmenhorster SK

Sinnhöfer, Joshua (1571) - Justus Sommer (1615) 0-1
Fink, Moritz (1368) - Frieder Poetsch-Heffter (1137) 1-0
Hubert, Nikita (1165) - Thore Rosin (1171) ½-½
Wollscheid, Lukas (1033) - Hanno Hellenbroich (1215) 1-0

Tabellenplatz nach dieser Runde: 9

Übermütig ging es dann in die 4. Runde und, wie wir alle wissen, Übermut tut selten gut. Leider wurde wieder etwas schneller gespielt und so ging das Spiel 1,5 :2,5 aus.

Thore machte Anstalten unser Remis-König zu werden und so kam die Wendung in der nächsten Runde sehr überraschend, aber davon später mehr.

Abends waren dann alle um 21:00 Uhr im Bett – zwar nicht begeistern, aber einsichtig – und um 21:30 war dann Ruhe. Welch friedvolle Stille....

Runde 5

Gegner: SV "Glück auf" Rüdersdorf

Morgens wieder das Übliche...Aufstehen, Frühstücken, Sitzenbleiben bis auch der letzte aus der Mannschaft fertig war und auf geht’s. Stimmung war nach dem gestrigen Tag gut und so taperten wir im Sonnenschein gen Spielort.

10:22: Hanno gewonnen,
11:50: Justus gewinnt, Thore verliert und dann beginnt das Warten....
12:52: Thore geht „all in“, wie es ein Elternteil so schön ausdrückte und lehnt Remis ab – ein kurzes Aufjaulen der Mannschaftskollegen im Analyseraum
13:06: Thore gewinnt.....uff! – Schulterklopfen, Freude und erleichtertes Ausatmen

Justus Sommer (1615) - Leubner, Paul Damdin (1286) 1-0
Frieder Poetsch-Heffter (1137) - Ruddat, Jarne (1254) 0-1
Thore Rosin (1171) - Smith, Tobias (1107) 1-0
Hanno Hellenbroich (1215) - Lucas, Vincent Benjamin (992) 1-0

Tabellenplatz nach dieser Runde: 7

Runde 6

Gegner: TuS Makkabi Rostock

Nach dem schönen Erfolg von heute morgen wurde die Erfolgsserie fortgesetzt.

Tovmasyan, Minas (1518) - Justus Sommer (1615) ½-½
Janssen, Joris Frederik (1187) - Frieder Poetsch-Heffter (1137) 1-0
Müller, Mitja (1194) - Thore Rosin (1171) 0-1
Köpnick, Amanda (1043) - Hanno Hellenbroich (1215) 0-1

Tabellenplatz nach dieser Runde: 5

Runde 7

Gegner: SC Turm Lüneburg

Für dieses Spiel hatten die Jungs richtig Blut geleckt und am Vorabend um 21:00 Uhr noch das Zimmer unseres schachlich etwas höher begabten Betreuers gestürmt.

Leider war hier nicht viel zu holen, die Mannschaft war einfach zu stark. Justus hielt sich sehr lange und konnte ebenbürtig gegenhalten, konnte aber das greifbare Remis nicht sichern. Nichtsdestotrotz beeindruckend, wie er als U10-Spieler hier mitspielt.

Justus Sommer (1615) - Hommer, Jeremy (1952) 0-1
Frieder Poetsch-Heffter (1137) - Bildat, Emilia (1619) 0-1
Thore Rosin (1171) - Helms, Finn (1659) 0-1
Hanno Hellenbroich (1215) - Rennkamp, David (1169) 0-1

Tabellenplatz nach dieser Runde: 7

 

Und so ging das Turnier zu Ende. Es kam ein hervorragender Platz 7 dabei heraus. Punktgleich mit TuRa Harkheide und nur einen Mannschaftspunkt hinter einem Qualifikationsplatz und auch die Bilanz konnte sich sehen lassen.

Justus Sommer 4,5 aus 7
Frieder Poetsch-Heffter 1 aus 7
Thore Rosin 4,5 aus 7
Hanno Hellenbroich 3,5 aus 7


Einen großen Anteil daran hatte sicherlich Justus, der am Spitzenbrett 4,5 Punkte sammelte und immer ein solider Rückhalt für seine Mannschaft war.

Frieder stand häufig gut, wollte dann aber gelegentlich seine Brettbesetzung lieber etwas ausdünnen und so musste das ein oder andere Mal eine entscheidende Figur vom Rand aus zuschauen. Glücklicherweise hat er dieses gut weggesteckt und auch die Mannschaft hat hier toll agiert. Keiner hat gemeckert oder gehänselt. Auch für diese Mannschaftsleistung, auch wenn sich nicht schachlicher Natur war, ein großes Lob.

Thore hat sehr gute 4,5 Punkte eingesammelt und hat im Spiel 5 Stärke bewiesen, als er beim Stand von 2:1 ein Remisangebot ablehnte und dann das Spiel sicher gewann. Kurzfristig rutsche einem der Betreuer :) das Herz in die Hose, aber Thore spielte es sicher zu Ende. Das zeigt Nervenstärke und Mut.

Der jüngste im Team – Hanno – konnte auch 50 % der Punkte einfahren. Sobald er häufiger die 2-Minuten-Regel einhält, ist hier sicherlich auch noch mehr drin.

Die Rückreise

Diese konnten wir eine Stunde früher antreten, als geplant und sie verlief dieses Mal ohne größere Zwischenfälle. Am interessantesten war dabei eine halbstündige Unterhaltung zwischen einem sehr geschwätzigen Deutschen und einem Israeli. Eine bühnenreife Aufführung, über politische, religiöse und lithographische Themen. Spätestens als der deutsche Germanist darüber berichtete, dass er sein Studienfach gewählt hätte, weil er da nur etwas lernen brauchte, was er ja schon konnte, war großes Gelächter im ganzen Abteil.

Wie gut, dass ich beim Schach auch nach 40 Jahren immer noch etwas Neues lernen darf!-)

Zum Thema DWZ

Es kam natürlich immer wieder die Frage nach der DWZ auf. Mal mit stolz geschwellter Brust, weil man einem 400 DWZ-stärkeren Spieler ein Remis abgetrotzt hatte, mal mit ein paar Tränen, weil man gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner verloren hat oder ein Remis nicht halten konnte.

Hmmm...was soll man als Betreuer dazu dann sagen: Klar bei einem Sieg oder Remis ist es einfach:“gut gemacht, klar gibt das DWZ“ und bei einer Niederlage:“ist nicht so schlimm“. Insgesamt ist es in dieser Altersklasse sicherlich so, dass die DWZ-Zahlen extrem schwanken und nicht immer aussagekräftig sind, also in erster Linie ist es wichtig, dass das dieses Spiel Spaß macht, das hier Turniererfahrungen gesammelt werden und die Kinder in der Gemeinschaft mit den Teamkollegen wachsen. Auch diese Dinge motivieren unsere Spieler und Motivation führt dann wieder zu mehr Lernwillen und das führt über kurz oder lang dann zu mehr DWZ und so schließt sich der Kreis.

Fazit

Es war ein gutes Turnier. Es gab Spiel, Spaß und Chips ... und Gummibärchen ... und Zusammenhalt ... und natürlichen einen Pokal. All das mit tollen Kindern, die einfach sind was sie sind – Kinder, die begeistert Schach spielen.

U12

Bleibt noch die Rückreise. Die konnten wir eine Stunde früher antreten, als geplant und sie verlief dieses Mal ohne größere Zwischenfälle. Am interessantesten war dabei eine halbstündige Unterhaltung zwischen einem sehr geschwätzigen Deutschen und einem Israeli. Eine bühnenreife Aufführung, über politische, religöse und lithographische Themen. Spätestens als der deutsche Germanist darüber berichtete, dass er sein Studienfach gewählt hätte, weil er da nur etwas lernen brauchte, was er ja schon konnte, war großes Gelächter im ganzen Abteil.

Wie gut, dass ich beim Schach auch nach 40 Jahren immer noch etwas Neues lernen darf!-)