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U 16 - Deutscher Meister Alexander Rieß

Die letzte Runde begann am Morgen um 9 Uhr. Gegen 11:30 Uhr war bereits die Entscheidung in der U16 gefallen. Alexander Rieß und Luis Engel führten gemeinsam mit 6 Punkten und durften gegeneinander den Meistertitel ausspielen. Wer gewann war definitiv Deutscher Meister.

Luis Engel ließ sich etwas überraschend mit Schwarz auf eine positionelle Variante der Damengambit Abtauschvariante ein - den Minoritätsangriff. Schwarz kann das oft Remis halten, aber selten auf Gewinn spielen. Wollte er nur Remis? Nach Buchholz wäre er vor Alexander geblieben, aber aus dem Verfolgerfeld hätten beide im Falle eines Remis noch überholt werden können.  Im Bestreben die Stellung weiter zu vereinfachen unterlief Luis Engel dann der entscheidende Fehler:

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Alexander Rieß - Luis Engel

Schwarz am Zug spielte hier 18. - Df5?. Es folgte 19.Dxf5 Sxf5 20.a5! Vermutlich hatte Schwarz diesen Zug nicht berechnet, da er "anti-strategisch" ist. Im Minoritätsangriff wird üblicherweise der b-Bauer nach b5 gezogen um vereinzelte oder rückständige schwarze Bauern zu schaffen, das geht nach Bauer a5 natürlich nicht mehr. Hier hat das Ganze aber einen konkreten Grund: 20.- Sc8 21.Sd7 ...

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... und da Schwarz die Drohungen Sxb8 und Sf6+ nebst Sxe8 nicht beide bedienen kann geht eine Qualität verloren. Alexander verwertete den Materialvorteil dann technisch einwandfrei zum vollen Punkt und dem Deutschen Meister-Titel in der U16 - Herzlichen Glückwunsch!

U 14 - Deutscher Meister Frederik Svane

In der U14 lagen vier Spieler mit 6 aus 8 vor der Schlußrunde vorne. Frederik musste am Spitzenbrett mit Weiß seine Partie gegen Alexander Suvorov gewinnen. Und dann kam es noch auf das Ergebnis an Brett 2 an. Die Live-Kommentierung hatte IM Sielecki übernommen, der auch Trainer von Frederiks Gegner war und aus dem Nähkästchen plauderte:

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Frederik Svane - Alexander Suvorov

Diese Stellung hatten sie noch in der Vorbereitung auf dem Brett. Sie glaubten nicht, das Frederik mit Weiß am Zug 12.c4 spielen würde. Nun Frederik spielte c4 - auch ein IM kann sich irren. Einige Züge später verschärfte Frederik bei schon knapper Bedenkzeit seines Gegners die Stellung:

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Frederik zog hier 19.d5! Ein bekanntes Motiv im Spiel mit dem Isolani. Er wird für aktives Spiel geopfert. Hier werden konkret durch die nachfolgende Fesselung des Sd5 in der d-Linie die schwarzen Bauern vereinzelt und Frederik bekam sein Investment mit Zinsen zurück: 19. -Sxd5 20.Tfd1 f6 21.Sxd5 exd5 22.Lc7 Tc8 23.Txd5 De6 24.Dxf5 Dxf5 25.Txf5.

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Weiß hat einen Bauern mehr, die aktiveren Figuren und die bessere Bauernstruktur. Das reichte später für den vollen Punkt. Brett 2 ging dann Remis aus. Damit war Frederik Deutscher Meister in der U14 - Herzlichen Glückwunsch!

U14w - Deutsche Vizemeisterin Alva Glinzner

Alva hatte in der Schlussrunde eine schwere Aufgabe vor sich. Mit Schwarz musste sie gegen die allein Führende Melanie Müdder ran, die mit 6 Punkten einen halben Punkt vor ihr lag. Mit einem Sieg konnte sie vorbeiziehen. Theoretisch war sogar noch der Meistertitel drin. Dazu hätten jedoch alle mit Alva Punktgleichen nur Remis spielen dürfen, eher unwahrscheinlich. Zunächst galt es jedoch die eigene Partie erfolgreich zu gestalten.

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Melanie Müdder - Alva Glinzner

Stellung nach dem 17. Zug von Weiß. Das Spiel der Favoritin mit Weiß wirkte etwas planlos - eher so wie warten auf Fehler der Gegnerin. Das Läuferpaar wurde ohne Not aufgegeben und die weiße Dame war nicht in einem Zug von d1 nach d2 gekommen, sondern über den langen Weg Dd1-f3-g3-g2-d2. Da der schwarzfeldrige weiße Läufer fehlt, sind die schwarzen Felder geschwächt und Alva nutzt hier die Gelegenheit die Initiative zu übernehmen: 17.-h6! 18.f4 hxg5 19.fxg5 Le7 20.Tg1 (billiger Trick: 20.- Dxg1?? 21.Lxb5+ - aber nicht mit Alva) Th5 21.Kb1 Lxg5 22.Dxd6 Dxd6 23.Txd6 Lf4 24.Td3 Txh2

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Alva hat jetzt einen Bauern mehr, ein starkes Läuferpaar und mit Bauer e4 ein weiteres Angriffsziel. Zehn Züge später fiel auch dieser Bauer und mit drei verbundenen Freibauern konnte sie sicher den Sieg einfahren. Am Ende reichte das Alva mit 6,5 Punkten aus 9 Runden für den zweiten Platz hinter der punktgleichen Vitalia Khamenya mit der besseren Buchholz. Herzlichen Glückwunsch!

Zu erwähnen wäre weiterhin noch ein toller 5. Platz von Martin Kololli in einem bärenstarken U18-Teilnehmerfeld.

Alle vorne platzierten Lübecker Jugendliche haben schon vielfach Erfahrung auf der DJEM sammeln können. In den letzten Jahren gehörten sie auch schon zu den Top-Spielern, es kam auch der ein oder andere vordere Platz dabei heraus, aber nie ein Deutscher Meister-Titel. Auch in diesem Jahr lief es nicht in jeder Runde optimal. Aber heute, wo es zählte, da waren sie da. Haben dem Druck standgehalten, ihre Chancen genutzt und verwertet und dürfen sich nun über ihre Erfolge freuen.