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Der 5. Platz ist ein toller Erfolg, denn er wurde mit einem sehr jungen Team (13 bis 16 Jahre) in der U20 erzielt. Unsere Gegner aus Darmstadt hatten zwar nur Startrang 8, doch mit drei 20-Jährigen und zwei 19-Jährigen konnten sie im Turnier so viel Erfahrung einbringen, dass der zweite Platz dabei herauskam. Und das war es dann auch, was sie auch im Wettkampf gegen uns noch ins 3:3 retten ließ.

Es startete zunächst mit einem Remis am Spitzenbrett bei Kevin. Sein Gegner hatte mit Weiß in einem Wolgagambit versehentlich den Mehrbauern zurückgegeben und darauf schnellstmöglich die Stellung zum Remis vereinfacht. Dann gingen wir durch zwei schöne Siege von Tilo und Tigran mit 2,5:0,5 in Führung.

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Tilo mit Weiß am Zug.

Die Stellung sieht schon sehr schön aus für Weiß. Die Frage ist nur, wie man daraus Kapital schlagen kann. Tilo fand Lg5! wonach die Zerstörung der schwarzen Bauernstruktur am Königsflügel nicht mehr verhindert werden kann.  Auf die Antwort De7 kann Weiß nämlich mit Sh5 nachlegen. Und Schwarz ging dann später am Königsflügel unter.

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Tigran mit Schwarz am Zug.

Eine typische Tigran-Stellung. Auf den ersten Blick verwirrend, man weiß erst mal nicht, wer besser steht. Bei Weiß hängt die Qualität, bei Schwarz die Dame, aber auch der weißen Dame könnte es eng werden. Nun, die weißen Schwächen überwiegen und Tigran hatte das alles so eingefädelt um jetzt, in Tigrans Worten: "ihn zu rasieren". Wer also wissen möchte, wie "rasieren" funktioniert, der sehe sich den weiteren Partieverlauf an:

Dann konnte Darmstadt  ausgleichen durch zwei Siege gegen Fin und Tom Linus. Bei Fin hatte sein Gegner schon früh das aktivere Spiel und konnte das dann auch in einen vollen Punkt umsetzen. Tom Linus kam gut aus der Eröffnung und lange Zeit war es eine Partie mit beiderseitigen Chancen. Erst sehr spät in einem komplexen Endspiel kam Tom Linus vom rechten Weg ab. Da machte sich dann doch die Erfahrung seines sieben Jahre älteren Gegners bemerkbar.

Dann lief noch die Partie von Martin, die uns ganz optimistisch stimmte -  bis zum 66. Zug:

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Martin mit Weiß. Schwarz am Zug.

Martins Gegner überraschte nun mit 66. - Txe3!!. Einer von Murphys Gesetzen im Schach lautet ja: Du hast immer den schlechten Läufer. Hast du mal den guten Läufer, dann stellst du fest, dass er deine Bauern nicht decken kann. Quod erat demonstrandum:

Ein 3:3 Unentschieden war damit der Endstand.

Deutscher Meister wurden die SF Sasbach. Völlig verdient. Sie beherrschten das Feld von Anfang an und gaben nur zwei Mannschaftsunentschieden ab. Vizemeister dann die SF Darmstadt. Platz 3 eroberte sich noch Doppelbauer Kiel, die in der letzten Runde Eppingen mit 3,5:2,5 niederrangen. Herzlicher Glückwunsch dazu von unserer Seite nach Kiel! An dieser Stelle dann ebenfalls Herzlichen Glückwunsch nach Harksheide. In der parallel stattgefundenen DVM U20w konnte TuRa Harksheide den Vizemeistertitel erringen. Platz 4 ging dann an den eigentlichen Favoriten Eppingen, was auch wieder zeigt: DWZ alleine gewinnt keine Turniere. Platz 5 dann für unser junges Team vom Lübecker SV! Wir blieben dank besserer Brettpunkte vor dem punktgleichen USV Halle, der in der letzten Runde noch überraschend die SG Porz ins Mittelfeld abstürzen ließ.

Unser Dank geht zudem an die Michael Haukohl-Stiftung, deren Unterstützung es uns wieder ermöglicht hat mit zwei Betreuern und einem  geringen Eigenanteil der Spieler an dieser DVM teilzunehmen.

Das Fazit

Nach der Siegerehrung hatten wir noch Zeit bis zur Rückreise. Wir blieben in der Jugendburg und ich bat jeden um ein Fazit zu dieser DVM. Worauf ich als erstes die Rückfrage bekam, was denn mein Fazit sei. "Mein Fazit kommt zum Schluß" sagte ich, "aber ich schreibe es schon mal auf einen Zettel."

Unsere Jüngsten haben sich über ihre erste Teilnahme und ihr gutes Spiel gefreut.
Tilo: "Ich fand's gut. Wir haben unseren Startplatz erreicht."
Tom Linus: "Ich schließe mich Tilo an."

Bei den anderen wirkte noch etwas Enttäuschung mit ob des ein oder anderen Missgeschicks und ausgelassener Chancen. In entsprechend trockenem Humor:
Fin: "Martin hat immer gesagt: Wir verlieren 0:6 - ach nein 1:5, ich gewinne ja."
Kevin: "Da war mehr drin, vor allem an Brett 2."
Martin: "Da wäre weniger drin gewesen."
Thomas: "Es gab doch nur eine Doppelnull."
Tigran: "Da wäre viel mehr drin gewesen, Platz 2 wäre drin gewesen."

Wir brachen dann zur Heimfahrt auf. Mit dem Bus ging es von Borken nach Coesfeld. Ab dort mit der Bahn mit Umstieg in Münster und Hamburg nach Lübeck. Das klappte auf dem Rückweg ohne Verzögerung. Im Bus nach Coesfeld sorgte das Koffer-Domino für einige Erheiterung. Am Bahnsteig in Münster verloren Tigran und Tilo den Wettkampf mit dem Snackautomaten. In Hamburg am Bahnsteig konnte Tilo dann mit Tom Linus den Snackautomaten erfolgreich bezwingen.

Wir saßen bereits in der Regionalbahn nach Lübeck, da fiel es den Jungs wieder ein. "Was ist denn nun dein Fazit?" Nun, ich werde ja nicht müde immer wieder zu erwähnen, dass wir mit einem sehr jungen Team diese DVM bestritten haben. Auf der Siegerehrung wurden auch nochmal die Namen aller 20-jährigen Teilnehmer verlesen, für die das Turnier nun der Abschied aus der Schachjugendzeit war. Dagegen werden unsere Jungs in den nächsten Jahren noch einige Chancen bekommen.

Ich gab ihnen also meinen Zettel und Tigran las vor: "Die Zukunft gehört Euch."